Videointerview: 1 Jahr Sciencestarter

Anläßlich  des ersten Jubiläums hat Michael Sonnabend Thorsten Witt, Projektleiter von Sciencestarter, über die Entwicklung der Plattform, Akzeptanz seitens der Wissenschafler etc. interviewt. Für die halbe Stunde Fragerunde sollte man sich Zeit nehmen, denn die Erkenntnisse sind sehr interessant.

Sciencestarter stelle ich in meinen Workshops immer als neue Variante der Wissenschaftsfinanzierung vor. Die Teilnehmer schauen dann immer sehr erstaunt, sind wißbegierig, denn von Crowdfunding an sich haben sie meist noch nie etwas gehört.

Meine Einschätzung zu Sciencestarter

Erfolgreiches Crowdfunding in der Wissenschaft ist von folgenden Faktoren abhängig: ein klares Projekt, dessen Finanzierungsziel nicht mehr als 10.000 € beträgt. Eine Laboreinrichtung wird man zum heutigen Zeitpunkt nicht über solche Finanzierungsformen eingerichtet bekommen. Das Projektziel muß für die Unterstützer unterstützenswert erscheinen – also möglichst konkret, möglichst eine abgeschlossene Einheit wie die Publikation eines Buches, Finanzierung einer Studienreise etc. Je abstrakter, desto höher die Scheiternchance. Crowdfunding ist Arbeit, die schon vor dem Start beginnt und von einem guten eigenen Kommunikationsnetzwerk abhängig ist. Man muß es schaffen, die zerfaserte Community da draußen vor den Bildschirmen zu erreichen: damit sie überhaupt von dem Projekt erfahren, sie begeistern, sie dazu bringen, wirklich aktiv einzusetzen. Wer mit der Kommunikation im Internet bei Null anfängt, wird über Crowdfunding keinen Erfolg haben. Crowdfunding ist für diejenigen gut geeignet, die über eine möglichst aktive, weit verbreitete Netzwerkstruktur analog und digital verfügt. Übrigens sind sinnvolle Supportgeschenke für die Unterstützer ein guter Ansporn. Hier sollte man vorher sich einige Gedanken machen und nicht wahllos irgendetwas anbieten.

Thorsten Witt hat es im Interview gut erklärt: es geht letztlich um Geld, das eingeworben werden soll. Und es geht bei Crowdfunding um ein Geben und Nehmen. Der Crowdfunder muß – bevor die Finanzierung steht – einiges Geben: Zeit, Arbeit, Aufmerksamkeit, ja auch Umschmeichelung der Unterstützer. Crowdfunding geht nicht einfach mal so nebenbei. Aber für kleine Projekteinheiten funktioniert es auch in der Wissenschaft. Was bisher ein bißchen fehlt, ist die Kenntnis darüber in der Wissenschaft.

Übrigens waren die Teilnehmer immer dann von der Seriosität der Plattform (“Hilfe, ich will nicht, daß mein Geld dann weg ist!”) überzeugt, wenn ich einerseits ihnen erzählt habe, wie die Geldüberweisung tatsächlich funktioniert (der Crowdfunder erhält erst das Geld, wenn die Gesamtsumme erreicht ist. Davor wird das Geld von den Plattformbetreibern auf einem Konto verwaltet und bei Scheitern zurückgezahlt), andererseits auf die hinter Sciencestarter stehenden Stiftungen Wissenschaft im Dialog und Stifterverband hingewiesen habe. Das Vertrauen in die Stiftungen überträgt sich glasklar auf die Plattform. Ohne diesen Vertrauensvorschuß würde die Plattform nicht funktionieren. Aber auch diese Bedenken potentieller Unterstützer muß man ernst nehmen!

Zum Schluß: herzlichen Glückwunsch an Sciencestarter zum Jubiläum!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
Dieser Beitrag wurde unter Kommunikation abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>