Webseitenaufbau: Potential leicht verschenkt

Gut, ich bin kein Webdesigner. Ich bin kein SEO-Profi. Ich bin kein Experte im Aufbau der idealen Webseite hinsichtlich Layout, Usability, Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung. Und ganz bestimmt ist meine Webseite bzw. mein Blog auch nicht ideal. Also eigentlich dürfte ich also diesen Post gar nicht schreiben.

Aber. Genau, dieses kleine Wörtchen Aber. Da ich gerade einen größeren Teil meiner Zeit dafür nutze, Rezensionen zu schreiben – sei es hier im Blog oder in meinem Kinder- und Jugendbuchblog Kinderbibliothek, bin ich öfters auf diversen Verlagsseiten unterwegs, um direkt auf das Buch in den dortigen Webshops zu verlinken.

Immer öfter schüttle ich dabei den Kopf, wie schwer es Verlage ihren Lesern beim Auffinden von Informationen machen. Manchmal habe ich das Gefühl, sie wollen mit mir als Leser Puzzle spielen. Nein, die gewünschte Information wird nicht in Stufe 1 bereitgestellt. Nein, sie lassen lieber mich als Leser auf der Webseite suchen. Sonst wird es wohl langweilig. Ach so, die Leser wollen unsere Bücher kaufen? Ups, ganz vergessen. ;-)

Beispiel 1: ganz beliebt sind Auflistungen der Autoren. So richtig schön mit einem Biogramm und dem typischen schwarzweißen Autorenfoto. Ja, ganz nett. Blöd wird es für Leser und Verlag nur dann, wenn von der Autorenseite es keine Verlinkung zu allen Büchern im Programm gibt.

Ja, liebe Verlage, warum machen Sie es den Lesern so schwer? Sie wollen doch Bücher verkaufen. Warum bieten Sie nicht mit einem Klick den Weg zum gesuchten Buch an? Nein, statt dessen darf der Leser umständlich den Weg übers Programm oder über eine Suche im Webshop geben. Sackgasse statt Vernetzung!

Übrigens ist eine gute Verlinkung innerhalb der Webseite auch aus SEO-Gründen ganz nützlich, wenn Sie nicht der Mensch, sondern die Maschine als Argument lieber überzeugt.

Beispiel 2: es gibt einen Webshop, in dem die Bücher aus dem Programm eingestellt werden. Unpraktikabel wird seine Nutzung dann, wenn nicht für jedes Buch es eine Unterseite gibt. Wie soll ich denn als Blogger auf das jeweilige konkrete Buch verlinken und möglicherweise potentielle Käufer dem Verlag zuführen? Auch hier wird der Nutzer nicht in den Fokus der Webseitengestaltung gestellt. Kein Wunder, wenn Amazon als Partner für Buchverkäufe so beliebt ist. Denn der Versandbuchhändlerkaufhaus stellt mir mehrere Varianten zur Verlinkung zur Verfügung – sei es als Widget, als Bild oder als Link, mit Layoutanpassung. Also nutze ich dann dieses Instrument, potentielle Käufer führe ich dann zu Amazon, und der Verlag hat aufgrund Amazons Rabattsystem weniger als bei einem direkten Verkauf verdient.

Beispiel 3: Rezensionen, wo seid ihr? Es gibt wunderbare Online-Rezensionen, die nur in wenigen Fällen fürs Marketing von Verlagen genutzt wird. Ja natürlich gibt es manchmal die Funktion, Lesermeinungen zum Buch auf der Verlagshomepage zu veröffentlichen. In der Regel werden sie kaum genutzt, weil a) Kundenmeinungen entweder im eigenen Blog oder bei den großen Online-Versandhändler publiziert werden, b) sie oft mit einem Anmeldeprozedere verbunden sind, die bei mehr als einem Click gleich eine Barriere für den Nutzer darstellen. Der User will es als Homo bequemus einfach haben, nicht kompliziert!

Nun gäbe es die Möglichkeit, auf die Rezensionen zu verlinken. Ja, ich weiß, das ist händische Arbeit. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Für den Verlag Eugen Ulmer habe ich als Mitglied des Social Media Teams Online-Rezensionen in den entsprechenden Themenblogs für jedes Buch eingepflegt. Ich sehe es als Teil meiner Aufgabe, auch in Respekt vor den Rezensenten. Und am Ende tut diese Arbeit der Vernetzung gut. Zwei völlig andere Diskussionen sind der Umgang mit Negativbewertungen bzw. das Rezensionsexzerpt hinsichtlich des Urheberrechts. Beide Komponenten lasse ich an dieser Stelle außen vor, denn sie sind beide jeweils eine andere Diskussion.

Beispiel 4: als letztes Beispiel, wie Potential beim Webseitenaufbau leichtfertig verschenkt wird, sind die fehlenden sprechenden URLs. Als SEO-Laie weiß selbst ich, daß sprechende URLs für die Suchmaschinenoptimierung gut ist. Außerdem mag ich als Nutzer für mich leicht erkennbare, also lesbare URLs lieber als welche mit kryptischen Zeichen-Wort-Kombinationen.

Kurzum, spontan fielen mir diese 4 Beispiele ein. Es gibt noch mehr Stellen, an denen es oft hapert. Ja, ich weiß, daß ein Webseitenaufbau keine leichte Sache ist, oft auch mit der Zeit organisch wächst. Ich weiß aus eigener Erfahrung die Komplexität wie Zuständigkeit für die Pflege, die Projektkoordination, die Möglichkeiten der dahinterliegenden Technik. Dennoch wundere ich mich immer wieder, wenn so einfache Punkte (gut Punkt 3 ist schon, da manuelle Pflegen nötig ist, mit mehr Aufwand verbunden) nicht beachtet werden. Denn Potential, Leser/Käufer zur gewünschten Information zu führen, ist schnell leicht verschenkt. Die dadurch entnervten Leser wieder zurückzugewinnen, bedeutet unnötigen Mehraufwand, der wirtschaftlich eine Verschwendung ist.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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