Die kommenden Tage: auf in eine neue eBook-Welt

In meinem letzten Beitrag “Meine Ankunft in der eBook-Welt” habe ich meinen Wunsch einer interaktiven, multimedialen Weiterentwicklung des eBooks gegenüber der Printausgabe eines Werkes schon angedeutet. Ich denke, daß da unheimlich viel Potential drin steckt, das heute in 98 % aller Fälle kaum genutzt wird. In der Belletristik finden wir EPUB-Formate, die fast immer eine 1:1-Übertragung des Printtextes sind. Zusätzliche Informationen, eine interaktive Struktur etc. gibt es in der Regel kaum.

Ähnlich sieht es bei wissenschaftlichen Büchern aus bzw. eigentlich ist es hier noch schlimmer. Im Grunde wird ein PDF, das ja für den Druck schon vorliegt, einfach als eBook verkauft. Mehr ist da nicht drin. Gut, bei wissenschaftlichen Texten gibt es hinsichtlich der jetzigen Gewohnheit, Texte mit Titel, Autorname, Seitenanzahl zu zitieren, eine besondere Herausforderung. Aber da gibt es seitens der Informationswissenschaftler erste interessante Ansätze wie beispielsweise Zitation über Hypermarken, die jedoch kaum in der Wissenschaft registriert sind. Letztlich stehen nicht nur die Verlage, sondern auch die Wissenschaftler als Anwender in der Pflicht, sich an der Diskussion zu beteiligen. Interesse oder überhaupt ein Registrieren eines solchen Bedarfes sehe ich da nicht. Genau auf die Möglichkeiten und die Anfänge der eBook-Entwicklung weise ich in meinen Workshops immer wieder hin und sehe oft große, staunende Gesichter als Reaktion. Also noch einmal: oft fehlt es auch an der Vorstellungskraft, was möglich ist, bei den Nutzern. Sie sind noch extrem in der ihnen bekannten Printwelt verwurzelt. Die Entdeckung Amerikas liegt da noch in weiter Zukunft.

Neue, innovative Wege, ja fast schon ein Pionier, geht Gerhard Schröder. In dem Projekt “Die kommenden Tage” entwickelte er im Auftrag und gemeinsam mit dem Stifterverband ein für die deutsche Wissenschaft ein innovatives, interaktives eBook. Nun gibt er gemeinsam mit Michael Sonnabend einen ersten Sneak Preview zum eBook. Die Vorstellung finde ich genial und schon recht nah an den Vorstellungen, die ich von einem eBook, vor allem Sach- und Fachbuchbereich, habe. Danke an Gerhard Schröder und Michael Sonnabend, daß sie dieses Experiment wagen und mutig voranschreiten. Ich wünsche Euch alles Gute und viel Erfolg dabei. Leute wie Euch braucht die Verlagsbranche und die Wissenschaft!

 

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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4 Antworten auf Die kommenden Tage: auf in eine neue eBook-Welt

  1. Connie sagt:

    also wenn ich bei einer neuen Technik schon wieder “Social Reading” und “Posten auf allen Plattformen” lese, dann reicht mir das schon wieder.

    Ist denn immer noch nicht verstanden, daß bei Büchern erstmal Lesen angesagt ist, und das ist nun mal eine Ein-Personen-Handlung? Dann Denken? Auch wieder eine Ein-Personen-Handlung? Dann vielleicht Kommentieren etc.?

    Ich dachte, man sei endlich dahintergekommen, daß Schwarmintelligenz eine Chimäre ist.

  2. MS sagt:

    Das sehe ich leicht anders – einige Zitate aus Büchern bieten sich durchaus an, um sie in Sozialen Netzwerken zu teilen. Terry Pratchett schreibt schon seit langem so, dass man größere Teile seiner Bücher problemlos als Zitat auf Facebook posten könnte.

    Das bedeutet natürlich nicht, dass diese Features wichtig oder nötig sind. Ich kann auch gut auf sie verzichten.

  3. Wenke Bönisch sagt:

    Die ersten Schritte in der Entwicklung des eBooks allein auf das Sharing in den sozialen Netzwerken zu reduzieren, verkennt die weiteren Möglichkeiten, die mit einem eBook möglich sind und die bei diesem Projekt versucht werden. Es geht letztlich um Wissensvernetzung und -verdichtung in einem Buch durch verschiedene Medienformen. Vor allem im Sach- und Fachbuchbereich sehe ich es als sinnvoll an. Ein ganz einfaches Beispiel abseits von Social Sharing, das als Vorteil eines eBooks gegenüber der Printausgabe gewertet werden kann: Abbildungen, auf die im Verlauf des Textes vermehrt Bezug genommen wird, können eben nun mehrmals auftauchen, quasi in Form eines Pop-Up. Hier setzt die Analogie des Printbuches der Nutzung erhebliche einschränkende Grenzen. Den Vorteil sehe ich klar im eBook.

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