Update 1: Experiment Selfpublishing… oder wie veröffentliche ich meine Dissertation

Als ich eben nach dem ersten Beitrag zu meinem Experiment Selfpublishing meiner Dissertation suchte, erschrak ich doch ein wenig über das damalige Veröffentlichungsdatum. Voller Zuversicht schrieb ich im Sommer, daß ich meine Dissertation im Herbst veröffentlichen würde. Nun ja, der Blick auf den heutigen Kalendertag offenbart, daß ich diesen Teil des Experiments nicht eingehalten habe.

Warum? Es fehlte mir nicht am Willen, sondern die beruflichen Umstände ließen es nicht zu. In Absprache mit meinen Gutachtern mußte ich einige Ergänzungen in der Einleitung vornehmen. Dafür brauchte ich – wie es eben so beim wissenschaftlichen Schreiben ist – einen ruhigen Moment. Glücklicherweise hatte ich seit Sommer beruflich viel mit Workshops, mit meiner Arbeit als freie Mitarbeiterin für den Verlag Eugen Ulmer, als Jurymitglied mit dem Fast Forward Science Wettbewerb und meiner Arbeit als Sounding Board Mitglied für die Max-Planck-Gesellschaft zu tun gehabt. Volle Auftragsbücher – wenige ruhige Minuten. Die berühmten zwei Seiten einer Medaille. Übrigens ein Fakt für den höheren Zeitaufwand, auf den ich immer wieder in meinem Workshop “Wissenschaftliches Publizieren” hinweise, damit die Teilnehmer einen realistischen Blick auf die benötigte Zeit für die Veröffentlichungsvorbereitung bekommen.

In den letzten Wochen hatte ich dann endlich mir die benötigte Zeit freischaufeln können und die notwendigen Ergänzungen vorgenommen, denen mein Doktorvater dann auch so zugestimmt hat. Der Veröffentlichungstext ist also fertig. Schritt 1 ist erledigt.

Parallel habe ich dann als zweiten Schritt seit Sommer immer mal wieder nach Selfpublishing-Dienstleistern recherchiert. Da der Selfpublishing-Markt im Belletristikbereich gerade boomt, Dienstleister wie Pilze aus dem Boden sprießen und natürlich alle auf ihren Webseiten sich im beste Lichte darstellen, muß man recht genau bei der Wahl hinschauen. Auffällig ist übrigens, daß nach dem Belletristikbereich viele Dienstleister sich jetzt explizit der Wissenschaft zuwenden und eigene “Programme” anbieten. Hilfreich für eine Orientierung war mir da der Austausch von Erfahrungen in der Facebook-Gruppe Selfpublishing. Vor allem die Meinung der von mir sehr geschätzten Petra van Cronenburg oder von Matthias Matting, der als Selfpublisher erfolgreich über das Thema bloggt, waren mir wichtig, weil sie praktische Erfahrungen haben und diese offen und realitätsnah weitergeben, auch wenn sie im Belletristik- bzw. Sachbuchbereich publizieren. So riesig sind dann die Unterschiede nicht.

Meine Bedingungen für meine Dienstleisterwahl war neben der Übertragung einfacher Nutzungsrechte, kurzer Kündigungsfrist, so wenige Kosten wie möglich für mich, guter Service, gute Qualität der Werke die Möglichkeit, Open Access zu publizieren und zwar nach freier Wahl meiner CC-Lizenz und des Zeitpunktes. Da fielen dann einige Anbieter sofort weg, andere erschienen mir vom Bauchgefühl irgendwie suspekt. Wie gesagt: boomt der Markt, dazu kommen noch die schon vorher bestehenden Dissertationsverlage. Eine wirklich gute Übersicht gibt es leider nicht, auch weil erst wenige Wissenschaftler sich an das Selbstverlegen heranwagen. Am Ende hatte ich dann zwei zur Auswahl, die mir immer wieder mal im Netz durch Erfahrungen wie hier bei Sascha Förster begegneten und die ich mir dann näher anschaute: Monsenstein und Vannerdat (M&V) sowie epubli, die übrigens beide ein eigenes Science-Programm im Selfpublishing für Wissenschaftler entwickelt haben, das sich vom übrigen durch die Open Access Option unterscheidet.

Beide Dienstleister, hinter denen Verlage stehen, haben unterschiedliche Modelle entwickelt. Bei näherer Betrachtung wandelt man sich als Selfpublisher vom Autor zum Geschäftsmann. Die Finanzierung ist eben auch ein wichtiger Baustein der Publikation!

Also ging es im Schritt 3 um eine erste Grobkalkulation. Dazu brauchte ich ungefähr die Angaben zur Ausstattung meines Buches (Seitenanzahl, Format, Anteil an Farbseiten) – der Text muß also schon stehen! – und die Anzahl der notwendigen Exemplare für die Abgabe in der Bibliothek, für die Gutachter, Freunde, Familie, eigene und für die notwendigen Rezensionen. Alles hängt miteinander zusammen, sind Bausteine in der Kalkulation, die eben nicht so eindeutig ist, wie man zu Beginn annimmt. Ändere ich beispielsweise das Format von Wissenschaft auf A4, dazu noch eine andere Schriftart oder -grad der einzelnen Textelemente, hat dies große Auswirkungen auf den Preis. Also legte ich parallel zur Grobkalkulation in InDesign Musterformate an, um einen Eindruck von den Folgen der Änderungen zu haben. Kleinlich darf man bei diesem Arbeitsschritt nicht sein. Die Grobkalkulation dient nur zur ersten Orientierung. Natürlich wird der Setzer bzw. Kalkulator eines Verlages mehr Erfahrungen haben und kann sich da einige Arbeitszeit sparen. Nur als Wissenschaftler, der zum ersten Mal selbst verlegt, fehlt mir diese Erfahrung. Zum Glück kenne ich mich einigermaßen für meinen Bedarf in Indesign aus, so daß dort das Definieren der einzelnen Absatzformate kein Problem darstellte.

Nun bieten die beiden Dienstleister verschiedene Publikationsmodelle an. M&V offeriert verschiedene Pakete: im Starterpaket Print zahle ich 99 €, muß aber 24 Exemplare abnehmen. Das Basispaket kostet hingegen 295 €, beinhaltet noch eine eBook-Variante, die für mich hinsichtlich Open Access obsolet ist, eine Pflichtabnahme besteht nicht.

Bei epubli bezahle ich für die ISBN 14,95 €. Mehr erst einmal nicht. Da ich aber selber Exemplare brauche, muß ich diese kaufen. Der Preis setzt sich dann eben aus der Ausstattung und Format des Buches zusammen. Dazu gibt es wie bei M&V von der Abnahmeanzahl abhängige gestaffelte Rabatte auf die Autorenexemplare.

Letztlich kam bei der Grobkalkulation bei beiden Anbietern eine ähnliche Summer heraus. Mit grob ca. 500-700 € muß ich für mein Buch mit ca. 250 Druckbögen und 15 Belegexemplaren rechnen. Wenn ich meine 77 Diagramme farbig drucken möchte, wird es entsprechend teurer. Daher versuche ich gerade, diese optimal für einen Schwarz-Weiß-Druck zu gestalten.

Schritt 4: ich nahm Kontakt zu den Anbietern auf. Beide antworteten auf meine Fragen sehr schnell und kompetent. Ich merkte sofort den Servicegedanken, hatte das Gefühl des Um-mich-kümmerns gehabt, das – seien wir ehrlich – für den Aufbau einer Geschäftsbeziehung Autorverleger-Dienstleister zwecks Vertrauenaufbau notwendig ist. Dabei ging es mir keineswegs um eine große Hofierung, sondern um ein wirkliches Eingehen auf meine Fragen.

Da ich gerne noch dieses Jahr die Veröffentlichung abgeschlossen hätte, mußte ich mich gegen M&V entscheiden, die nach einer Erstinformation aufgrund des Weihnachtsgeschäftes erst im Januar mein Buchprojekt in Angriff genommen hätten. Für mich war es der ausschlaggebende Punkt, es mit epubli zu versuchen.

 

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
Dieser Beitrag wurde unter Selfpublishing abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>