Fast Forward Science 2013: Gewinner und Bilanz

Der Webvideowettbewerb Fast Forward Science 2013, initiiert, organisiert und getragen von Wissenschaft im Dialog und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ist am 12. November mit der Auszeichnung der Preisträger im Rahmen des 6. Forums Wissenschaftskommunikation zu Ende gegangen (Fotos der Preisverleihung können Sie sich hier anschauen). Als Jurymitglied durfte ich im Oktober gemeinsam mit meinen Kollegen die Gewinner in einer heißen, diskussionsintensiven Sitzung küren.

Gewonnen haben:

In der Kategorie NextPablo Rosado Doktorand vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), Hannover mit seinem Wissenschaftsvideo The Invisible Colours of the Universe. Er erklärt zusammen mit seinen Kollegen in dem Video, wie man Gravitationswellen messen kann und inwieweit sie ein neues Fenster zum Universum öffnen. Das Team erhält ein Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro.

In der Kategorie Pro für Forschende hat sich ein Team um den Physiker Dr. Christian Hackenberger vom Labor für Attosekundenphysik (Max-Planck-Institut für Quantenoptik/ Ludwigs Maximilian Universität München) mit dem Video „Vom Herzschlag zum Quantensprung“ durchgesetzt. Sie zeigen, wie kurz die Zeiträume sind, mit denen die Attosekundenphysik arbeitet: So kurz nämlich, dass es möglich ist, Elektronenbewegungen zu beobachten und damit Einblick in das Innenleben von Atomen zu erhalten. Auch dieses Video wird mit 6.000 Euro belohnt.

In der Kategorie Kommunikation haben wir als Jury Philipp Dettmer als Gewinner ausgezeichnet. Unter dem Namen „Kurzgesagt“ thematisieren sie in ihrem Video „Fracking Erklärt – Pro und Kontra“ die Vor- und Nachteile des Hydraulic Fracturing, kurz Fracking. Die gesellschaftlich kontrovers diskutierte Technologie ermöglicht es, Gas- und Ölvorkommen zu fördern, die in tief liegenden Gesteinsschichten gebunden sind. Das Team erhält 6.000 Euro Preisgeld.

Die Kategorie Kontrovers hatten wir bei der Jurysitzung aufgrund weniger Beiträge ausgesetzt. Dafür gab es einen Spezialpreis der Jury, der an Johann Beurich für seinen Mitternachtsformel (a-b-c-Formel) (Mathe-Song) ging. Der Mathematikstudent aus Dresden erklärt in seinem Mathe-Song die Lösung der a-b-c-Formel, der so genannten Mitternachtsformel: authentisch, leidenschaftlich, unterhaltsam und originell. Beurich erhält ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro.

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

Spannend ist es, nach so einem Wettbewerb Bilanz zu ziehen. Wie war der Wettstreit gelaufen? Was funktionierte gut? Was kann man besser machen? Denn nächstes Jahr wird Fast Forward Science fortgesetzt! Ich freue mich drauf und hoffe, wieder als Jurymitglied dabei sein zu dürfen!

Nadine Bühring vom Stifterverband interviewte deshalb Projektkoordinatorin Katja Machill von Wissenschaft im Dialog. Beide blickten noch einmal auf den Wettbewerb zurück und zogen ein Resumee:

Und wie ist meine persönliche Bilanz?

Fast Forward Science hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, welches Potential Webvideos für die Wissenschaftskommunikation haben. Glücklicherweise hat sich noch kein Standard für das Webvideo im Wissenschaftsbereich durchgesetzt. Ich hoffe auch, daß es so bleiben wird. Denn die Spannbreite der eingereichten Videos war von der Idee bis zur Umsetzung breit: technisch perfekt gemachte Webvideos wie Fracking bis zu Webvideos, die von einer einzelnen Person getragen werden, die sich vor die Kamera setzt und zu einem Thema erzählt. Als Beispiel möchte ich meinen persönlichen Favoriten nennen, der es leider nicht zum Sieger geschafft hat: Lars Fischer mit seiner Reihe Wir Werden Alle Sterben – Folge 10: Pilze in der Spülmaschine. Ich mag seine Art, seinen trockenen Humor. Und er ist das beste Beispiel dafür, daß man für ein gutes Webvideo im Wissenschaftsbereich kein riesiges Equipement oder professionelle Verarbeitungssoftware mit Animationsmöglichkeiten braucht, sondern allein mit einem guten Konzept und etwas Mut viel erreichen kann.

Persönlich hoffe ich, im nächsten Jahr mehr Videos von Wissenschaftlern a la Lars Fischer zu sehen. Denn viele der diesjährigen Beiträge waren von Forschungsinstituten eingereicht worden. Ich hoffe, daß Wissenschaftler den Mut finden, sich diesem Medium zu stellen.

Und zum Schluß hoffe ich darauf, daß sich mehr Geisteswissenschaftler trauen, beim Webvideowettbewerb mitzumachen. Denn der diesjährige war sehr von den Naturwissenschaftlern geprägt. Natürlich sind die Möglichkeiten, ein physikalisches Experiment im Webvideo darzustellen, breiter als eine Beantwortung der Frage, was Lehnsherrschaft beispielsweise sei. Dennoch glaube ich, daß auch wir Historiker, Germanisten, Kulturwissenschaftler, Soziologen, Ethnologen und alle anderen genug Kreativität haben, nicht nur in wohlfeilen Texten unsere Forschung zu präsentieren, sondern auch den Schritt gen Visualisierung wagen!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
Dieser Beitrag wurde unter Web 2.0 abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Fast Forward Science 2013: Gewinner und Bilanz

  1. Pingback: Update 1: Experiment Selfpublishing… oder wie veröffentliche ich meine Dissertation | Wissenschaft und neue Medien

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>