Praxisnah und hilfreich für Wissenschaftler beim Publizieren: “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit Word 2010″ von Natascha Nicol und Ralf Albrecht (Rezension)

9783827329622Ein gutes Satzlayout ist für das Lesen und Verstehen eines Buches immer förderlich, erst recht bei wissenschaftlichen Werken, die auch heute noch wenig mit multimedialen Elementen als vielmehr mit dem reinen Text den Inhalt dem Leser vermitteln. Daher ist es kein Wunder, daß guter Satz seit der Erfindung der beweglichen Letter mit dem Buchdruck bzw. dem Verlegen von Büchern eng einhergeht. Der Buchsetzer, Meister und Ritter der schwarzen Zunft, war und ist (heute u. a. abgelöst vom Nachfolger Mediendesigner) ein wichtiger und notwendiger Ausbildungsberuf.

Eigentlich ist beim Publizieren der Satz eine Aufgabe des Verlages. Nun wird seit einigen Jahren auch schon von traditionellen Verlagen diese Aufgabe dem Autor überlassen. Eigentlich ein Unding. Dazu kommen neue Strömungen beim Publizieren wie Selfpublishing beispielsweise, bei denen oft der Autor selbst, wenn er nicht einen Dienstleister beauftragt, um den Satz kümmern muß.

Nun gibt es zwar professionelle Satzprogramme wie InDesign, jedoch lohnt sich für den einzelnen Wissenschaftler der Kauf bei einmaliger Nutzung nicht – sowohl finanziell als auch zeittechnisch, um sich mit dem Programm vertraut zu machen.

Auch die Alternative LaTeX ist nicht immer wirklich eine Alternative, da es in der Regel fast nur Naturwissenschaftler nutzen. Kaum ein Geisteswissenschaftler beschäftigt sich mit diesem Programm, sondern nimmt – oh Schrecken – ganz genau das Standardtextprogramm auf seinem Rechner – meist Word.

Nun ist die Nutzung von Word heutzutage ein routiniertes, alltägliches Ereignis. Relativ einfach zu bedienen, und am Ende sieht das Manuskript doch einigermaßen aus. Für kurze Texte kein Problem, schwieriger wird es bei längeren wie Qualifikations- und Abschlußarbeiten. Hier zählt der gute Eindruck des Layouts ebenso wie der Inhalt.

Kniffelig wird das Text- und nicht Satzprogramm Word bei der Einrichtung der Seiten, der Kopf- und Fußzeilen, der Erstellung von längeren Tabellen, dem Einfügen von Grafiken oder Diagrammen, erst recht, wenn es auch noch (halb)automatisch ablaufen soll. Da wird gefrickelt, die russische Methode ;-) versucht und beim nächsten Mal funktioniert die mühsame Einstellung wieder nicht. Da verliert der Wissenschaftler viel Zeit, die er lieber in die Forschung oder in das Schreiben des Textes gesteckt hätte.

An dieser Stelle ist guter Rat teuer oder besser gesagt wichtig, z. B. in Form des hier zu besprechenden Buches “Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit Word 2010″ von Natascha Nicol und Ralf Albrecht. Es ist eine an Word 2010 angepaßte Version ihres Buches, das es schon für Word 2007 gibt. 2010 ist jetzt noch keineswegs veraltet, vielmehr wohl auf den meisten Rechnern von Wissenschaftlern Standard.

Das Buch ist ganz und gar auf die Praxis ausgerichtet und fängt bei der Ursuppe wie Ordner anlegen am Rechner an. Jetzt mag wohl der Leser an dieser Stelle lachen, aber es gibt noch genügend ältere Wissenschaftler, die damit nicht ganz so zurecht kommen.

Damit Anfänger sich nicht Hals über Kopf in das Abenteuer Word stürzen, haben die Autoren  zur Übung und zum Durcharbeiten auf der mitgelieferten CD ein Beispieldokument angelegt, mit dem nun Schritt für Schritt die einzelnen Kapitel durchgegangen werden kann.

Zunächst wird Word in seinen grundlegenden Funktionen, die für das Schreiben notwendig sind wie beispielsweise AutorKorrektur, Tabulatoren, Aufzählungen etc., erklärt. Kapitel 3 widmet sich der Gestaltung der Arbeit wie das Anlegen von Formatvorlagen, Gliederung der Arbeit, Gestaltung der Kopf- und Fußzeile. Das Einfügen, Gestalten und Bearbeiten von Tabellen, Bilder und Diagrammen, Quellennachweise und mathematische Formeln stehen im Fokus der nachfolgenden Kapitel. Zum Schluß wird auf das “Hübschmachen” der Arbeit (Verzeichnisse erstellen, Deckblatt gestalten, Silbentrennung, Korrekturhilfen oder Einstellung zu PDF-Dateien) eingegangen.

Ganz klassisch werden die einzelnen Schritte anhand von schwarz-weiß Bildern ganz genau erklärt. Wer den Anweisungen wortgetreu folgt, kommt zum Ziel. Die Abbildungen sind groß genug, um die notwendigen Details erkennen zu können. Mit Symbolen für Zusammenfassung, Hinweis/Tip, Warnung oder dem Hinweis auf das Zusatzmaterial auf der CD bieten die Autoren dem Leser einen schnellen Zugriff und gute Orientierung im Text.

Der Textstil ist schnörkellos und geradlinig. An den Stellen, an dem der Leser gerne mal eine eigene Abkürzung im Programm wählt, die keineswegs immer sinnvoll ist, schaffen Nicol und Albrecht es, die Notwendigkeit es “offiziellen” Weges mit wenigen Worten dem Leser klar zu machen. Dabei verwenden Sie pointiert und an richtiger Stelle auch Illustrationen, die das Verständnis erhöhen.

Was das Buch nicht leistet, nicht einmal im Ansatz, ist eine kurze Einführung, was guter Satz (angemessener Schriftgrad bzw. -type, Abstand Überschrift zu Fließtext etc.) ist. Solch ein Exkurs wäre schön gewesen, um manche sehr individuellen, dem Leseverständnis abträglichen Layoutvarianten vorzubeugen.

Auch der Satzspiegel dieses Buches selbst läßt zu wünschen übrig. Der Außen- bzw. Bundsteg ist definitiv zu knapp bemessen. Hier wäre mehr Professionalität angemessen!

Fazit: Mit diesem Buch bekommen Wissenschaftler, die mit Word ihren Text setzen müssen, eine praktische Hilfe zur Verwendung des Standardtextprogrammes. Das Buch ist sowohl ein Nachschlage- als auch Übungsbuch. Der Aufbau ist durchdacht und auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern zugeschnitten. Mit diesem Buch haben Wissenschaftler einen guten, sicheren Umgang mit bzw. Kenntnisse in Word. Die stringente Ausrichtung auf das wissenschaftliche Schreiben tut der dann folgenden praktischen Umsetzung gut. Der hilfesuchende Wissenschafler bleibt bei der Lektüre nicht verwirrt zurück. Daher ist das Buch allen denjenigen Wissenschaftlern, die unsicher sind, wärmstens zu empfehlen.

Ich vergebe in der Endbeurteilung 4 von 5 Sternen.

Sehr schön ist, daß Addison-Wesley auf seiner Webseite eine Leseprobe des Buches zur Verfügung stellt.

Natascha Nicol, Ralf Albrecht: Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit Word 2010, 432 S., 1 CD, München 2011,  ISBN: 978-3-8273-2962-2, Print: 24,80 € (leider nicht mehr lieferbar), eBook 19,99 € (lieferbar).

Wichtiger Hinweis: Lieferbare gedruckte Bücher aus dem deutschsprachigen Programm von Addison-Wesley erhalten Sie auch weiterhin im Buchhandel Ihres Vertrauens.

Das Buch ist bei jedem Buchhändler erhältlich. Mit dem Kauf über Amazon unterstützen Sie diesen Blog:

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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