Das ewige Lied: Was ist eine angemessene Bezahlung?

So eben bin ich auf einen Artikel von Frank Zimmer gestoßen, der bei W&V Redaktionsleiter Online ist und über die Honorarpraxis des Magazins spricht. Anlaß war die Diskussion um Denattenbeiträge um die Zukunft auf Spiegel Online. Das Nachrichtenmagazin wollte zunächst nichts zahlen, hat sich jedoch nach einem Sturm der Entrüstung nun umentschieden.

Zurück zur W&V. Sie zahlt Gastbeiträgern nach dem Was-ist-dein-Motiv-Lösung ein Honorar oder auch eben nicht. Sind die Autoren der Gastbeiträge Journalisten oder vom Schreiben lebende, dann erhalten sie eine Entlohnung. Gehören sie einem anderen Berufsstand an und wollen letztlich mittels des Gastbeitrages nur mediale Aufmerksamkeit haben, dann erhalten sie kein Honorar. Denn diese würden ja nicht vom Schreiben leben. Begründung von W&V zu dieser Praxis ist, daß sie die absolute Lösung, jedem eine Honorar zu zahlen, sich nicht leisten können. 

Ehrlich, ich war entsetzt gewesen, als ich diese Einstellung las. Einen guten Gastbeitrag zu schreiben, kostet Arbeit und Mühe – egal ob der Autor der schreibenden Zunft angehört oder nicht. W&V greift auf einen externen Autoren zurück, der mehr über ein Thema weiß, als die Redaktion (“….die Juristinnen und Juristen demnächst für W&V Online schreiben werden. Von Honoraren war nicht die Rede. Wir würden auch keines zahlen. Denn die Motivlage bei den Juristen ist klar: Es geht ihnen nicht ums Geld, sondern um Medienpräsenz. Wer davon profitiert, ist klar: unsere Leser. Denn sie werden mehr relevante Informationen über Markenrecht erhalten, als wir Redakteure allein ihnen jemals bieten könnten.”, Warum Redaktionen manchmal kein Honorar zahlen, Frank Zimmer, 1. August 2013). Sie erhalten eine gute Arbeit. Was ist logischerweise der Gegenwert für diese Leistung? Eine angemessene Bezahlung.

Nun wird Bezahlung im Sinne von W&V nicht als Geld, sondern mediale Aufmerksamkeit verkauft. Nein, mediale Aufmerksamkeit ist eben kein Honorar. Es ist eine Scheinargument, kostenlos gute Arbeit zu bekommen. Denn was heißt mediale Aufmerksamkeit, von der der Gastautor angeblich profitieren soll?

Soll er berühmt werden, um durch Folgeaufträge Geld zu generieren? Ist das nicht letztlich eine Weiterreichung der Bezahlung an die nachfolgenden Auftraggeber, die ganz bestimmt dann kommen werden, weil man ja durch die mediale Aufmerksamkeit berühmt wurde? Dafür kann man doch mal zwei, drei Tage in einen Artikel investieren – kostenlos selbstverständlich. Ähm, was passiert denn, wenn für den Gastautor die mediale Aufmerksamkeit wie indirekt versprochen ausbleibt? Er hat die Arbeit und eben keine Bezahlung.

“Mediale Aufmerksamkeit” ist für mich keine angemessene Bezahlung, sondern ein Ausdruck Kostenlosmentalität, über die die Presse schimpft, verurteilt und letztlich doch auch treibende Kraft ist. DAS ist Heuchelei oder Messen mit zweierlei Maß!

Arbeit soll anständig bezahlt werden, egal ob der Artikel von einem Autor stammt, der vom Schreiben lebt oder nicht. Bezahlung heißt sofort, greifbar und nicht auf eine Zukunftsoption verschoben, bei dem das Risiko, die Ernte einzufahren, weiterhin beim Autor bleibt. Wer Kostenlosmentalität anprangert, aber gleichzeitig auch selbst macht, der widerspricht sich.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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