Wissenschaftler ist nicht gleich Wissenschaftler. Eindrücke vom Workshop “Wissenschaftliches Publizieren” in Vallendar

Im grünen, sehr ruhige gelegen ist die PTHV in Vallendar mit ihrem 300 Studenten sehr familiär geprägt. Foto. Wenke Bönisch

Im grünen, sehr ruhige gelegen ist die PTHV in Vallendar mit ihrem 300 Studenten sehr familiär geprägt. Foto. Wenke Bönisch

Vorgestern, am Montag, hielt ich in Vallendar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule meinen Workshop über “Wissenschaftliches Publizieren”, den ich nach 3 Jahren in seiner Gestaltung überarbeitet habe. Am Ende des Beitrages finden Sie die neue Präsentation.

Nie gleicht ein Workshop dem anderen. Teilnehmer, ihr Alter, ihre Erfahrungen und Erwartungen zum Thema, der Raum, die Gruppendynamik – all das beeinflußt den Erfolg oder auch Nichterfolg eines Workshops. Nur zu 50 Prozent kann der Dozent/Trainer positiv den Verlauf des Seminars beeinflussen, die andere Hälfte sind den Umständen geschuldet. Daraus entsteht für mich immer wieder ein neuer Spannungspunkt: wer nimmt teil, wie aufgeschlossen sind die Teilnehmer, wie arbeiten sie mit. Von ganz passiv bis ganz aktiv hatte ich schon vielfältige Varianten gehabt.

Interessant war dieser Workshop auch noch in anderer Hinsicht, der mich letztlich zur Einsicht brachte, Wissenschaftler ist nicht gleich Wissenschaftler. Zwei Fakultäten, eine Theologische und eine Pflegewissenschaftliche (von letzter gibt es in Deutschland nur ganz wenige), bilden die Hochschule in Vallendar, die den Rang einer Universität besitzt und somit auch Promotionen verleihen darf. In meinem Kurs saßen Doktoranden der Pflegewissenschaft, die keineswegs dem typischen Bild eines Nachwuchswissenschaftlers entsprachen. Ganz im Gegenteil. Der Altersdurchschnitt lag wesentlich höher, zwischen Anfang 30 bis Mitte 50. Sie hatten zumeist einen völlig anderen Bildungsweg: viele hatten zunächst eine Ausbildung als Pflegekraft absolviert, jahrelang im Beruf gearbeitet, dann nebenbei studiert und nun promovieren sie. Auch die Promotion absolvieren fast alle neben dem eigentlichen Beruf. Sie sind daher vor allem Praktiker, die nicht ihre wissenschaftliches Leben im geschützten Raum einer Bildungsinstitution wie zumeist herkömmliche Wissenschaftler führen.

Die typische Karriere eines Wissenschaftlers verläuft doch über die Stationen Schule mit Abitur, Studium, Promotion, Arbeit an der Universität bzw. Forschungsinstitut, Habilitation und Ruf. Natürlich gibt es Abbrüche, beispielsweise während oder nach der Promotion, Ausflüge in die Wirtschaft. Aber man merkt einem Wissenschaftler sehr schnell an, inwieweit er diesen geschützten Bereich der Bildung durchlaufen hat bzw. wie stark er mit ihm verbunden ist. Der idealtypische Wissenschaftler ist dann doch sehr vom akademischen Verhalten geprägt. Anders bei diesen Praktikern, die frisch und unverbraucht nun in der Wissenschaft sind und mit viel Leidenschaft und auch Selbstdisziplin nun diesen Lebensabschnitt gehen. Genau dieser Punkt hat für mich in den letzten Tagen eine neue Sichtweise eröffnet. Aufgeschlossen, interessiert waren die Teilnehmer. Alles hatte einen frischeren Eindruck auf mich gemacht. Vielleicht war auch die ruhige, im Grünen gelegene Lage der kleinen, familiären Hochschule inspirierend.

Die Präsentation zum Anschauen und Download finden Sie hier:

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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2 Antworten auf Wissenschaftler ist nicht gleich Wissenschaftler. Eindrücke vom Workshop “Wissenschaftliches Publizieren” in Vallendar

  1. Liebe Wenke

    Danke für diesen interessanten Beitrag. Vorallem Deine Slides haben es mir angetan. Z.B. Seite 40 ist sehr interessant – Reputation – wie du klar aufzeigst das eben nur noch den Citation Index zu nutzen oder den Citation Impact Index, das reicht heute bei weitem nicht mehr.

    Auch Slide 32, Farbenlehre Open Access ist sehr hilfreich, kann ich jedermann nur empfehlen, alles kurz auf den Punkt gebracht.

    Danke für diesen Post.
    Urs
    @CyTRAP
    PS. Habe gesucht und Dein Blog auch in unserer Datenbank aufgenommen. Wir versuchen zu zeigen wie man die Blog Resonanz steigern kann. Obwohl, bei Dir läuft dies ja schon Klasse, gratuliere.
    ==> http://blogrank.cytrap.eu/rank/digiwis.de/blog

  2. Pingback: Workshop "Ab ins Netz: Social Media für Wissenschaftler" an der PTHV in Vallendar | Wissenschaft und neue Medien

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