Raus aus der Filterblase! Über Professionalität und praktische Umsetzung von Social Media

Unsere Wahrnehmung der Umwelt in Filterblasen sortiert. Foto: marrySW  / pixelio.de

Unsere Wahrnehmung der Umwelt in Filterblasen sortiert. Foto: marrySW / pixelio.de

Seit mehr als 3 Jahre bewege ich mich nun beruflich im Social Media Bereich, arbeite als freie Mitarbeiterin im Social Media Team des Ulmer Verlages, bin mit meinem Digiwis-Projekt auf fast allen Kanälen unterwegs, rezensiere Fachbücher zum Thema und gebe Workshops u. a. für Wissenschaftler, um ihnen die Angst vor dem Auftritt im Social Web zu nehmen. Um ständig auf dem aktuellen Stand zu bleiben, lese ich regelmäßig die einschlägigen Blogs und Online-Magazine. Ich stecke mit meinem professionellen Blick und Nutzung also voll in meiner Social Media-Filterblase – mit allen Vor- und Nachteilen, die sie mit sich bringt. Doch es tut auch mal gut, diese Filterblase zu verlassen und seinen eigenen Blick neu zu justieren. Warum, erkläre ich in diesem Artikel.

Was ist eine Filterblase?

Der Begriff, für den es auch das Synonym Informationsblase gibt, wurde vom Internetaktivisten Eli Pariser in seinem gleichnamigen Buch geprägt. Pariser bezieht es auf  folgendes Phänomen: Die Algorithmen von Suchmaschinen werden so optimiert, daß Informationen, die der Nutzer erwünscht, vorausgesehen und angezeigt werden. Google geht mit seiner personalisierten Suche diesen Weg, ebenso Facebook mit seinen empfohlenen Facebook-Seiten, die es in den Newsfeed eines jeden Nutzers einblendet. Jedoch kann dieses Phänomen auch auf das Verhalten eines jeden von uns zu einem bestimmten Thema beobachtet werden. Interessiere ich mich für Social Media, sammle und lese ich möglichst viel Informationen, vernetze mich mit anderen Personen, die auch intensiv in diesem Bereich unterwegs sind. Personen hingegen, die kaum firm mit dem Thema sind, fallen immer mehr aus dem eigenen Blickwinkel. So entsteht eine eigene Filterblase. Verbindungen zu anderen Filterblasen sind schwierig, je konkreter die eigene ausgebildet ist. Dies heißt beispielsweise, daß Personen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, nur schwer in den eigenen Fokus rücken, man sich mit ihnen seltener vernetzt. Viele kennen dieses Phänomen von früher, als Leute ein zeitintensives Hobby betrieben. Nun hat jeder nicht nur eine Filterblase, sondern in der Regel mehrere (Beruf, Hobbies, spontan wechselnde Interessen). Manche dieser Filterblase ist größer, konkreter, manche schwammiger oder existiert nur eine kurze Zeit.

Problematisch wird es mit einer Filterblase dann, wenn sie sich wie eine Scheuklappe um die eigenen Augen legt. Störfaktoren oder Ereignisse, die das schöne Gefüge der Filterblase durcheinander wirbeln, werden ausgeblendet. Dies merkt man aber erst, wenn man sich selbst beispielsweise durch eine Auszeit aus der besagten Filterblase herausnimmt, also einen Außenstandpunkt einnimmt und so einen anderen Blick auf das eigene Tun wirft.

So ist es mir in letzter Zeit mit meinem Umgang im Social Web ergangen. Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich die professionelle Brille auf und habe auch durch meine Kontakte, die ebenfalls professionell im Netz unterwegs sind, diese Folie unbewußt auf andere übertragen. Auf jeden anderen. Mit gewissen Folgen. So weiß nicht jeder “Privatmensch”, der bloggt, wie wichtig eine korrekte Verlinkung mit suchmaschinenfreundlichem Metatext sind – auch für ihn als Blogger. Verschlagwortungen werden nicht genutzt. Oder bei Rezensionen werden die Buchdaten nicht angegeben. Drittes Beispiel: auf Facebook wird kreuz und quer geteilt, der Ursprung geht irgendwann verloren – unglücklicherweise für den Profi, der den Ausgangspost teilte.

Ja, manchmal ärgere ich mich dann hier in meinem Büro vor meinem Rechner, daß diese angeblich schöne Social Media Welt mit ihrer Viralität eben doch nicht so funktioniert. Ich überprüfe dann, ob beispielsweise die Hürden zum Mitmachen zu hoch gesetzt sind, die Regeln einfach und klar kommuniziert. Und wenn ich scheinbar alles richtig gemacht habe, ja dann hilft mir nur noch aus meiner Filterblase aufzutauchen und mir bewußt zu machen, daß die Professionalität im Social Web eben auf solche Menschen wie mich beschränkt sind, die damit tagtäglich arbeiten. Und der Rest nutzt die Tools, Social Networks wie es ihnen beliebt. Das ist abgesehen von Fällen wie Urheberrechts- oder Datenschutzverletzungen nicht schlimm, sondern einfach der Lauf der Dinge. Und wer im Alltäglichen Umgang mit Menschen hat, wie beispielsweise Ärzte, kennen dieses Phänomen nur zu gut. Manchmal helfen solche Auftauch-Situationen, nicht völlig in der Filterblase unterzugehen, sondern neu zu erden und die Welt ein bißchen gerade zu rücken.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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