Lohnt sich Google Hangout für Verlage?

google-hangoutDas soziale Netzwerk Google+ bietet im Gegensatz zu Facebook mit Google Hangout die Möglichkeit eines Videochats, das neue Türen in der Kommunikation mit der eigenen Community öffnet. Letzte Woche durfte ich für meinen Auftraggeber, dem Verlag Eugen Ulmer, so ein Hangout durchführen. Unsere Idee war, den Fans und Lesern des Verlages mit Google Hangout ein virtuelles Treffen mit einer Autorin zu ermöglichen. Von dieser Erfahrung aus möchte ich verallgemeinernd der Frage nachgehen, wie Verlage Google Hangout nutzen können und dazu ein paar praktische Tips geben.

Es gibt zwei Varianten von Google Hangout: das einfache und Hangout on Air. Ersteres ist ein Videochat zwischen maximal 10 Personen, bei letzterem können am Hangout zusätzlich eine beliebige Zahl an Google+ Nutzern passiv wie bei einer Fernsehsendung teilnehmen. Bei Google Hangout on Air ergibt sich in Deutschland jedoch ein rechtliches Problem. Da es technisch wie eine Fernseh- oder Rundfunksendung funktioniert, kann im Einzelfall der Besitz einer Sendelizenz bzw. die Beantragung einer Bestätigung der rundfunkrechtlichen Unbedenklichkeit bei jeweils zuständigen Landesmedienanstalt für jedes einzelne Hangout on air – nicht ganz praktikabel – notwendig sein. Die Materie ist nicht ganz einfach. Gerhard Schröder ist dem Thema in zahlreichen lesenswerten, informativen Artikeln nachgegangen (hier, hier und hier). Leider steht die Rechtslage einer spontanen Nutzung des Google-Videochats im Wege. Nach einigen Überlegungen und Abwägungen schlug ich dann folgende Lösung vor: die Nutzung eines normalen Hangouts plus Aufzeichnung als Video.

Wofür kann man Google Hangout nutzen?

Die Möglichkeiten, Google Hangout zu nutzen, setzen alle auf zwei sich bedingende Elemente: Interaktivität zwischen den Teilnehmern und Visualität. Im Gegensatz zu typischen Webinar-Veranstaltungen, bei denen der Referent einen Vortrag plus Präsentation hält und die Teilnehmer meist nur per Textchat Fragen stellen können, setzt man bei Nutzung von Google Hangout auf eine starke Interaktivität zwischen den Teilnehmern, verstärkt durch die Visualität der Videofunktion. So können Verlage die Möglichkeit einer Autorensprechstunde, dem persönlichen Kontakt zwischen einzelnen Verlagsmitarbeitern und Fans (beispielsweise Lektoren geben einen Einblick in ihre Arbeit) oder kleine Tutorials geben. Mittels diverser Apps kann man während eines Google Hangouts zum Beispiel Teile des Bildschirms (Leseprobe, Präsentationen) freigeben oder Präsentationen auf Slideshare einbinden. Dies als Ideen für öffentliche Hangouts.

Darüber hinaus ist es möglich, Hangout auch als kleine Videokonferenz für interne Absprachen zu nutzen. Hierzu wird das Hangout nicht öffentlich zugänglich gemacht, sondern konkret die Teilnehmer eingeladen.

Wie geht man praktisch vor?

Nutzt man Google Hangout für die Außenkommunikation und nur als normales Hangout, empfehle ich folgende Vorgehensweise:

  • Festlegung des Inhalts und Termins (Autorensprechstunde, Tutorial o. ä.): je nach Zielgruppe muß man den Zeitpunkt der Veranstaltung wählen. Möchte man Privatleute erreichen, wäre Zeitpunkte am frühen Abend, Wochenende ideal. Hingegen bei Geschäftsleuten können Termine tagsüber besser wahrgenommen werden.
  • Bewerben Sie die Veranstaltung auf Ihren Online-Präsenzen: Webseite, Blog, Social Networks.
  • Gibt es zum Thema des Hangouts ein Mailing an die Presse? Dann weisen Sie in dem Mailing daraufhin. Oder Sie veröffentlichen eine Pressemitteilung oder machen extra ein Mailing.
  • Schreiben Sie relevante Blogger an, die sich mit dem Thema des Hangouts beschäftigen (Sprechstunde mit einem Autor über Hundebücher interessiert vielleicht Blogger, die zum Thema Hunde schreiben)
  • Da nicht jeder Interessierte ein Google+ Account hat (Bedingung für eine Teilnahme) ist es sinnvoll, diesen die Möglichkeit zu geben, Fragen vorher beispielsweise per Mail oder als Blogkommentar stellen zu können.
  • Verbinden Sie bei den beiden vorherigen Bewerbungswegen das Anschreiben mit einem Rezensionsangebot, wenn beispielsweise beim Hangout ein Autor spricht.
  • Lassen Sie ihren Autor, Verlagsmitarbeiter beim Hangout nicht allein und legen Sie vorher fest, wer seitens des Verlages das Hangout als Moderator betreut. Optimal wäre hier ein Mitglied aus dem Social Media Team. Seine Aufgabe ist es, das Hangout über seinen Google+ Profil zu starten, die Session als Moderator zu betreuen, Spamteilnehmer zu blockieren, Fragen über die Textchatfunktion zu sammeln und an den Autor weiterzuleiten.
  • Im Social Media Bereich gilt die Devise der maximalen Wiederverwertung von Inhalten auf verschiedenen Kanälen: zeichnen Sie die Sitzung mittels eines Desktoprekorders auf (es gibt dafür gute Freeware-Software wie diese Apowersoft Free Screen Recorder). Sie müssen jedoch aus rechtlichen Gründen auf die Aufzeichnung schon bei der Bewerbung und noch einmal beim Start des Hangouts hinweisen!
  • Testen Sie einige Tage vor dem eigentlichen Termin das Hangout mit ihrem Autor/Verlagsmitarbeiter. Weisen Sie ihn in die Funktionen von Google Hangout ein.
  • Starten Sie das Hangout mind. 15 Minuten vor dem eigentlichen Beginn gemeinsam mit dem Autor/Verlagsmitarbeiter auf dem Profil des Moderators. Überprüfen Sie Bild und Ton und öffnen Sie die Präsentationen, Webseiten, die Sie während des Hangouts über die Bildschirmfreigabe zeigen wollen. Schließen Sie alle weiteren Programme wie E-Mail-Software etc., die Sie für die Session nicht nutzen wollen. Stellen Sie das Hangout auf öffentlich ein und teilen Sie den Link auf allen Social Media Kanälen.
  • Starten Sie zum Termin nach Eintreffen der Teilnehmer die Videoaufzeichnung, weisen Sie darauf noch einmal konkret hin und bieten Sie den Teilnehmern die Möglichkeit, bei Nichtzustimmung das Hangout zu verlassen. Diese Videosequenz können Sie dann später löschen.
  • Eröffnen Sie die Veranstaltung und moderieren Sie sie. Da Sie ein öffentliches Hangout halten, können jederzeit Teilnehmer die Veranstaltung verlassen und so Platz für neue schaffen. Passen Sie auf Spammer auf, die Sie blockieren können. Dieser Vorgang wird jedoch von ihrem Videoaufzeichner mitgefilmt. Entweder ersetzen Sie die entsprechende Abschnitte durch ein Standbild oder weisen in der Videobeschreibung daraufhin.
  • Theoretisch können Sie während des Hangouts auch darüber mit einem vorher kommunizierten Hashtag twittern, jedoch überlegen Sie sich das gut, da Sie schon mit der Moderatorenrolle, auch über den Textchat, stark ausgelastet sein werden.
  • Zum Ende der Veranstaltung weisen Sie rechtzeitig auf den Schluß hin, eröffnen noch einmal eine letzte Fragerunde und verabschieden Sie die Teilnehmer.
  • Ein paar Tage später können Sie das nachbearbeitete Video auf Youtube veröffentlichen, auch in Teilen. Schreiben Sie darüber noch einmal einen Blogartikel.

Lohnt sich Google Hangout für Verlage?

In Google Hangout, vor allem in der Variante on air, steckt ein großes Potential für die Social Media Kommunikation. Der Vorteil dieses Videochats ist seine leichte Bedienbarkeit, da nur weniges technisches Equipment benötigt wird (Webcam, Mikrophon) und es kostenlos zur Verfügung steht, sind die technischen Investitionskosten kaum der Rede wert. Es lädt zum Experimentieren ein und hat jetzt noch den Hauch des innovativen Neuem. Darüber hinaus überwindet man so den geographischen Raum. Teilnehmer können aus verschiedenen Orten gleichzeitig im Virtuellen treffen. Da dnur maximal 8 weitere Personen neben dem Moderator und dem Autor/Verlagsmitarbeiter an einem Hangout teilnehmen können, erhält dieses Angebot einen exklusiven Anstrich.

Jedoch müssen auch ein paar Nachteile genannt werden. Da steht als erstes die Bedingung eines Google+ Profils für alle Beteiligten im Blickpunkt. Im Gegensatz zu Facebook ist Google+ noch nicht von der breiten Masse akzeptiert oder wird es genutzt. Dann scheint die Teilnahme an einem Videochat, in dem man explizit sichtbar ist, viele potentielle Interessierte abzuschrecken. Dieses Problem kennen auch Fernsehsender und wird wohl immer ein Bestandteil von solchen Social Media Angeboten sein. Letztlich unkontrollierbar ist bei einem öffentlichen Hangout die Frage, wer teilnimmt (Stichwort Spammer). Hier hilft nur, sich dem bewußt sein und entsprechend zu handeln (blocken).

Noch nutzen Verlage Google Hangout trotz der Einsatzmöglichkeiten nicht. Jedoch wird dies sich in naher Zukunft ändern. Google Hangout ist eine sinnvolle Ergänzung zu den anderen Social Media Angeboten eines Verlages, das in Maßen eingesetzt sich lohnt.

 

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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2 Antworten auf Lohnt sich Google Hangout für Verlage?

  1. Vielen Dank für die Erwähnung. ;) Der Pearson-Verlag hatte schon einen Test-Hangouts on Air durchgeführt, zu dem ich auch eingeladen war: http://www.youtube.com/watch?v=cj5hg_6Sqhg

    Eine Youtube-Playlist mit all meinen Video-Tipps zu Hangouts in Air: http://www.youtube.com/playlist?list=PLIggDLmpuIxrV5DpIP–qWVbEoSOhHhaZ

    Viele Grüße aus Essen,

    Gerhard Schröder

  2. Pingback: Die Woche im Rückblick 08.03.-14.03.2013 | sevblog

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