“Und was machen Sie so beruflich?”

Wohin geht der berufliche Weg? Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Wohin geht der berufliche Weg? Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Diese Frage in Form der Variante “Was willst Du später mal machen?” hörte ich das erste Mal im Jahre 2000 (huch, ist das lange her), als ich mein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte begann. Hätte ich gesagt, ich würde beispielsweise Medizin oder Jura studieren, wäre 99 % aller meiner Gesprächspartner klar gewesen, was ich später mal mache. Aber bei Geschichte und Kunstgeschichte, nein, da war die berufliche Zukunft diffus. Höchstens der Nachsatz: “Wirst Du dann Lehrer?” war für sie ein Anker in meiner ungewissen beruflichen Zukunft, der sich schnell in Nichts auflöste, als ich antwortete “Nein, Lehrer möchte ich nicht werden”.

Also war es an mir, dann zu erklären, wie ich später mein Geld verdienen möchte. Anfangs versuchte ich noch die Langversion von “Man kann so vieles damit machen. Ins Archiv gehen oder in die Bibliothek. Vielleicht an der Uni bleiben. Auf jeden Fall zielt das Studium der Geisteswissenschaften auch darauf ab, schnell ein Problem zu erkennen und entsprechende Lösungen eigenständig zu entwickeln”. Spätestens nach dem Satz mit der Uni erhielten in den meisten Fällen die Augen meiner Gesprächspartner einen nebeligen Glanz, der mir deutlich machte, daß ihre Aufmerksamkeit nicht mehr meinen Ausführungen zur beruflichen Zukunft von (Kunst)Historikern zuteil war. Recht schnell änderte ich also die Langversion in eine Kurzversion, die da lautete: “Archiv, Museum oder Bibliothek wäre schön”. Das war klar, das war deutlich. Damit konnten meine Frager etwas anfangen. Mehr wollten sie nicht wissen. Sie konnten mich dann in eine Berufsschublade stecken. Und für mich war es nicht weiter schlimm, denn ich wußte schon vor dem Studium, daß die Frage nach der Berufszukunft für mich nach dem Abschluß nicht simpel zu beantworten wäre.

Irgendwann als die Studiumszeit beendet war, wandelte sich die Frage von ”Was willst Du später mal machen?” in “Was machst Du jetzt?”, die ich oft mit “Promovieren” beantwortete. Ja, promovieren ist kein Beruf, aber es war wieder eine Aussage, die für die Frage griffig war.

Und heute? Heute gebe ich die Antwort, mit der mein Gesprächspartner am meisten anfangen kann. Fragt mich meine Friseuse nach meinem Beruf, antworte ich mit “Internetmarketing”. Mit diesem Begriff kann sie etwas anfangen und mich einordnen. Fragt mich ein Fachkollege, dann werde ich konkreter, denn sie kennen mehr die Begriffe, haben sich schon vorher durch meine Auftritte im Web (auf meiner Webseite, im Blog) über mich erkundigt. Dann berichte ich von meiner beruflichen Herkunft, wie es dazu kam, was meine Motivation ist. Davon, daß meine Tätigkeit auf zwei Säulen beruht: auf Social Media als Dienstleister und auf Berater-, Workshop- und Vortragsangebote rund um Wissenschaft(skommunikation) im digitalen Zeitalter. Es braucht dann mehr Worte, aber auch die Zeit, das Interesse und das Verständnis für diese Mehrworte ist dann da.

Und so ist es in Ordnung für alle, eine gute Lösung. Kein nebliger Blick mehr. Und geht es uns nicht mit anderen Tätigkeitsbezeichnungen außerhalb unseres Berufsfeldes nicht ebenso?

P. S. Dieser Blogartikel ist ein Beitrag zur Blogparade von Wibke Ladwig: Blogparade: Und was machen Sie so beruflich?

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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5 Antworten auf “Und was machen Sie so beruflich?”

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  5. melliausosna sagt:

    Ich gehöre dann sicher zu denen die das mit dem Lehrer gefragt hätten :-)

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