#SGT13: Mareike König – Lokale, nationale und globale Kulturen des Bloggens. Das Beispiel hypotheses.org (Liveblogbeitrag)

Die Tagung startet mit dem Vortrag von Mareike König über “Lokale, nationale und globale Kulturen des Bloggens. Das Beispiel hypotheses.org”. Sie stellt sowohl die Plattform für geisteswissenschaftliche Blogs hypotheses.org vor.

Ihr Vortrag beginnt mit der Aussage, daß Deutschland von vielen als Entwicklungsland im wissenschaftlichen Bloggen angesehen wird und verweist auf eine Studie von 2011, in der konstatiert wird, daß nur 8 % aller Wissenschaftler bloggen oder Blogs nutzen.

Die Blogplattform hypotheses.org ist eine Plattform, die 2008 in Frankreich entstanden ist und jetzt Tochterplattformen in Spanien oder auch in Deutschland mit de.hypotheses.org hat. Die Plattform entwickelte schnell eine dynamische Zugkraft hinsichtlich der Anmeldung von Blogs (Anzahl der Blogs haben sich seit 2008 fast jährlich verdoppelt), der Anzahl von Artikel und auch von Kommentaren. So wird jeder 3. oder 4. Blogartikel kommentiert, wobei die Blogs auf der deutschen Tochterplattform mehr als auf der französischen kommentiert werden.

Eine große Ablehnung der Professoren gegenüber Blogs ist, daß sie die Blogosphäre als unübersichtlich wahrnehmen, jedoch nicht so beim Nachwuchs. Hier weist Mareike König daraufhin, daß die Blogs keine redaktionelle Überprüfung erhalten, aber die auf der Startseite angezeigten Blogartikel werden kuratiert. Blogbeiträge werden archiviert und gespeichert, was das Argument der skeptischen oder gar ablehnenden Fachkollegen “Blogs sind flüchtig” aufhebt. Zudem werden die Blogs in Frankreich von der Nationalbibliothek im Katalog aufgenommen, erhalten eine ISSN. In Deutschland arbeitet die Plattform mit der Deutschen Nationalbibliothek zusammen. Auch bieten die Betreuer von de.hypotheses.org eine technische Betreuung und Hilfestellung für die Blogger an, nehmen so dem Argument “Ich weiß nicht, wie es technisch geht” den Wind aus dem Segel.

Nach 11 Monaten de.hypotheses.org zieht Mareike König folgende Zwischenbilanz. Sie sieht eine Ausdifferenzierung und Professionalisierung der Blogs. Zudem gibt es mehr thematisch eng geführte Forschungsblogs. Blogs zu Methoden oder Didaktik nehmen zu, ebenso gibt es jetzt zahlreiche Blogs, die Tagungen oder auch Zeitschriften begleiten, die vor allem für eine tiefere Diskussion genutzt werden.

Jedoch sehen die Zahlen für Geschichtsblogs traurig aus. Insgesamt gibt es nur 150 Geschichtsblog auf der Plattform hypotheses.org, davon fallen 20 auf Deutschland. Die Verteilung der Geschichtsblogs auf die Forschungszeiträume sehen so aus: 43 % fürs 20. Jh., 23 % für 19. Jh. (4 Stück), 23 Stück für Frühe Neuzeit.

Hypotheses.org bietet als Serviceleistung einen Blogkatalog an, den man auch zur Überschau über die wissenschaftliche Bloglandschaft in der Geistes- bzw. Geschichtswissenschaft nutzen kann. Alle Blogs auf hypotheses.org sind stark untereinander vernetzt. Die Vernetzung über Blogs in der Wissenschaft ist größer als auf ersten Blick sichtbar, was man jedoch nicht immer mit harten Zahlen messen kann (z. B. in Telefongesprächen oder auf Tagungen). Was man jedoch messen kann, ist die Treue der Leser: 1,9-4,4 Mal kehren die Leser auf die Blogs zurück. Solche Zahlen sind näher an der Realität als beispielsweise die Abonnentenzahlen von Fachzeitschriften. Denn wieviele der abonnierten Zeitschriften bleiben nicht ungelesen in der Bibliothek stehen?

Insgesamt hat Mareike König einerseits einen sehr guten Überblick über die Blogplattform hypotheses.org gegeben, andererseits hat sie auch die Vorteile wissenschaftlichen Bloggens noch einmal schön hervorgehoben und so auch die Angst und Bedenken von skeptischen Fachkollegen nehmen können, wenn sie wollten.

Update 8.2.2013: Die Präsentation hat Mareike König auf Slideshare.net hochgeladen:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
Dieser Beitrag wurde unter Wissenschaftsdiskurs abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf #SGT13: Mareike König – Lokale, nationale und globale Kulturen des Bloggens. Das Beispiel hypotheses.org (Liveblogbeitrag)

  1. Pingback: #SGT13: Nachmittagsvorträge: wie Social Web in der Wissenschaftskommunikation nutzen? | Wissenschaft und neue Medien

  2. Mareike König sagt:

    Vielen Dank für diesen Live-Blog-Artikel! Als Ergänzung hier der Link zu meiner Präsentation: http://www.slideshare.net/mareike2405/lokale-nationale-und-globale-kulturen-des-bloggens-das-beispiel-hypothesesorg

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>