Wibke Ladwig in ihrem Blogperlenspiel: “Das Bloggen erlaubt es mir, diese Gedanken Gassi zu führen und sie mit anderen Gedanken zum Toben auf die Wiese zu schicken”

Wibke Ladwig. Foto: Wolfgang Walz

Wibke Ladwig. Foto: Wolfgang Walz

Lesen – entdecken – informieren – kommunizieren. Alles rund um das Thema Blog: eben Blogperlenspiel. Diesmal habe ich Wibke Ladwig, Social Web Ranger (ihre eigene geniale Wortschöpfung für Beratungen rund um Social Media und Kommunikation), nach ihren Bloglieblingen und Blogerlebnissen interviewt. Wibke lernte ich vor mehr als zwei Jahren auf Twitter kennen, als nur ein paar Buchleute dort unterwegs waren und man in fast schon familiärer Atmosphäre sich schnell fand. Bald darauf trafen wir uns auf der Leipziger Buchmesse in echt und fanden uns auf Anhieb sympathisch. In vielen Dingen sind wir uns ähnlich. Ihre unprätentiös Art, ihr menschlicher Umgang macht sie einfach sympathisch!

Was war Dein erstes Blogerlebnis bzw. welches Blog hast Du als erstes gerne gelesen?

Das erste Blog, das ich regelmäßig und gern gelesen habe, war der Schockwellenreiter von Jörg Kantel, Blogger-Urgestein, wie man so schön sagt. Das Blog entdeckte ich, als ich damals, in grauer Vorzeit, die ersten Blogger Relations für den O’Reilly Verlag erschloß. So haben wir das allerdings noch gar nicht genannt. Es war mehr ein intuitives Gefühl von „könnte passen“ und ich habe Jörg einfach angequatscht. Nach meiner Zeit bei O’Reilly hatte ich ihn und sein Blog aus den Augen verloren. Umso mehr freut es mich, ihn durch Twitter und Facebook wiedergetroffen und ihn bei den Buchtagen Berlin auch mal „in echt“ kennengelernt zu haben. Vor allem seine Hundesport-Geschichten, früher mit Zebu, heute mit dem Sheltie Joey, verfolge ich sehr gern.

Was bedeutet für Dich bloggen?

Bloggen ist für mich Dokumentation von Leben und Menschen, Dokumentation von Erlebnissen, Gedanken und Diskussionen. Für mich persönlich ist Bloggen auch öffentliches Nachdenken. Ich schätze Blogs sehr für ihre Unmittelbarkeit und die vielen Möglichkeiten, die eigenen Gedanken auszudrücken und festzuhalten: Ob in Essays, kurzen Eindrücken oder Einwürfen, ob als Text, Foto, Podcast oder Videoblog.

Welches Blog liest Du zurzeit besonders gerne?

Kein bestimmtes Blog. Einige Blogs, die ich einigermaßen regelmäßig lesen: Das Blog der Karlshochschule von Patrick Breitenbach, Echtzeitgeist von Frank Tentler, die Punktefrau und das Blog von Daniel Rehn. Menschen, die ich auch „in natura“ sehr schätze und deren Ideen und Gedanken mich oft weiterbringen. Jüngst entdeckte ich Texterella von Susanne Ackstaller, die unter anderem Frauen ab 40 / 50 / 60 interviewt. Diese Porträts finde ich sehr inspirierend und mir gefällt der Ton und der Respekt, mit dem die Menschen dort befragt werden.

Insgesamt lese ich lieber Blogs, die einen Blick auf Gesellschaft und Alltag werfen. Reine Tech-Blogs oder Social Media-Blogs finde ich eher langweilig.

Beschreibe den Blog bitte mit 3 Hashtags!

Alle Blogs, die ich gern lese, vereint die Hashtags Kultur, Gesellschaft, Leben.

Was macht diesen Blog zu Deinem Lieblingsblog?

Lieblingsblog kann man bei mir werden mit einer schönen und eigenen Sprache, der Fähigkeit zur Selbstabstraktion, Spaß an Popkultur und Quatsch und einem höflichen Umgang. Die Themen: siehe oben.

Nichts anfangen kann ich mit Bauchnabelbetrachtungsblogs in Kindergartensprache und naturbeleidigtem, nörgeligen Unterton.

Wie bist Du auf diesen Blog gestoßen?

Meist lerne ich Leute über Twitter kennen, finde sie nett oder interessant, treffe sie, entdecke, dass sie (auch) bloggen. Oder ich erhalte Empfehlungen von Freunden. Manchmal stolpere ich auch über die Blogroll oder Rivva über interessante Blogs.

Hast Du schon einmal dort im Blog kommentiert oder mit dem Blogger auf andere Art und Weise kommuniziert?

Gerade bei befreundeten Bloggern versuche ich, so es die Zeit zulässt, immer mal wieder auch im Blog zu kommentieren. Ich weiß selbst, wie sehr man sich über Kommentare freut, die zeigt, dass jemand den Beitrag auch wirklich gelesen hat. Viele Diskussionen oder Kommentare laufen natürlich auch da, wo man sowieso ist: Twitter oder Facebook. Google+ bei mir weniger, das vergesse ich oft …

Bloggst Du selber? Was ist Deine Motivation dafür?

Ich habe eine ganze Handvoll Blogs und habe immer noch den Eindruck, zu experimentieren. Ich bin gerade dabei, meine Website, die mit WordPress programmiert ist, „bloggiger“ zu machen. Dort habe ich bisher vor allem Veranstaltungen und Ereignisse dokumentiert. Als ich mich vor nunmehr fast drei Jahren selbstständig machte, war mir gar nicht klar, wie groß mein Wunsch nach Bloggen sein wird. Mitunter müssen Gedanken raus, die bisher keinen Ort hatten. Dafür habe ich mich vor einer Weile kurzerhand einen tumblr (Denkarium) eingerichtet – und ich bin jedes Mal ganz aus dem Häuschen, weil die Beiträge gelesen und teilweise munter diskutiert werden. Die beste Ermutigung, das ganze auszubauen ;-). Bei tumblr habe ich auch noch diverse andere Blogs laufen, zum Beispiel printtwitter.tumblr.com, in dem ich Skurriles aus dem Kleinanzeigenteil einer Zeitung sammle oder lakritzel.tumblr.com, Geschichten meines „Erfundhunds“ Lakritzel, der 2013 durchstarten soll.

Bei Posterous laufen gerade auch noch Blogs, die aber jetzt umziehen sollen zu WordPress, zum Beispiel das Blog des stARTcamp Köln und die Hörweide (für die wir nun endlich neue Folgen aufnehmen).

Momentan überlege ich, wie ich mein persönliches Blog um Podcast und / oder Videoblog ergänzen kann.

Meine Motivation? Davon abgesehen, dass es mir helle Freude macht, das Internet durchzuspielen, möchte ich auch meine Gedanken und Ideen öffentlich machen und sie mit anderen diskutieren. Ich lerne dabei sehr viel, über mich, über andere. Im Unterschied zu einem Tagebuch, das man nur für sich selbst führt, lassen sich mit Blogs Beziehungen und Bezüge herstellen und weiterentwickeln. Ich habe nie Tagebuch geschrieben, weil ich das immer langweilig fand und ich im Kopf meist schon viel weiter war als ich schreiben konnte. Das Bloggen erlaubt es mir, diese Gedanken Gassi zu führen und sie mit anderen Gedanken zum Toben auf die Wiese zu schicken. Und wenn sie dann zerzaust und erschöpft zu mir zurückkehren, macht mich das froh. Ich kann sie dann wieder mit zu mir nach Hause, in meinen Kopf, nehmen.

Herzlichen Dank fürs Interview, Wibke!

Haben Sie auch Lust, Ihre Lieblingsblogs und Blogerfahrungen vorzustellen? Dann beantworten Sie die Fragen und schicken Sie sie mir – gerne mit Foto – an kontakt / at/ digiwis.de. Ich freue mich darauf!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
Dieser Beitrag wurde unter Blogperlenspiel abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Wibke Ladwig in ihrem Blogperlenspiel: “Das Bloggen erlaubt es mir, diese Gedanken Gassi zu führen und sie mit anderen Gedanken zum Toben auf die Wiese zu schicken”

  1. Wibke sagt:

    Danke, liebe Wenke! Dein Interview hat mir viel Spaß gemacht und die Gedanken munter toben lassen :).

  2. Liebe Wenke und liebe Wibke,
    wunderbar, das hat mir Spaß gemacht, dieses kluge Interview zu lesen. Du hast völlig recht, Wibke, da lernt man viel, es kommen neue tolle Gedanken und man geht beschwingt aus so einer Lektüre von dannen. Endlich hab ich auch eine Erklärung dafür, dass ich das Tagebuchschreiben niemals liebte – aber das Schreiben schon!! Danke dafür. Und danke Wenke, dass du solche interessanten Sachen anregst!
    Das ist wie ein kleiner Kolleginnenplausch auf dem Flur zwischendurch … Herzliche Grüße euch beiden
    Anke

  3. Wenke Bönisch sagt:

    Liebe Anke, vielen Dank für das Kompliment. Da nutze ich gleich die Chance, Dich zu fragen, ob Du auch beim Interview mitmachen möchtest?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>