Blogperlenspiel: Wie wichtig sind Kommentare?

 

Foto: Alexander Hauk  / pixelio.de

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Mareike König ist in ihrem lesenswerten Blogbeitrag der Frage nachgegangen, warum in Wissenschaftsblog – zumindest in der deutschen Blogosphäre – so wenig kommentiert wird. Als einen Grund, der von den Kommentatoren bestätigt wird, wird die Verlagerung der Diskussion in die sozialen Netzwerke wie Facebook, G+ oder auch Twitter (obwohl es schwierig ist, mit 140 Zeichen wirklich fundiert zu diskutieren) angeführt. Ebenso spielen Lesergedanken zu Blogbeiträgen in Mails, Telefonaten oder auf Konferenzen eine Rolle. Dies hat König richtig beobachtet.

Marc Scheloske führt in den Kommentaren hinzu, daß es in den letzten 2, 3 Jahren mehr kommentierwürdigen Inhalte erstellt worden sind, jedoch die Anzahl der Blogleser nicht in dem Maße zugenommen haben. Auch diese Beobachtung kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Ich möchte gerne noch ein paar Punkte zu dieser Diskussion, die keineswegs neu ist, hinzufügen, die mir auf dem Herzen liegen. Zunächst einmal möchte ich die Perspektive ändern. Natürlich freut sich jeder Blogger über Kommentare, denn diese machen zu einem nicht geringen Reiz des Bloggens aus. Ohne Kommentare fühlt man sich als Blogger im Raum verloren, wie auf einer einsamen Insel – menschenleer. 

Bevor man als Blogger jedoch jammert, daß zu wenig im eigenen Blog kommentiert wird, ist eine Perspektivänderung sehr erhellend. Wie oft kommentiert man am Tag/ in der Woche/ im Monat direkt in anderen Blogs? Einmal, zweimal oder sogar häufiger?

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, daß es wenige Kommentare sind. Und warum? Gute Kommentare, die wirklich die Diskussion anregen, brauchen Zeit: Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Schreiben, Zeit zum Formulieren. König meint zwar, auch ein “Danke, guter Beitrag” ist als Feedback schon der Anfang, nur fühlt sich solch eine Aussage für mich schon fast als Spam an. Ab und zu ist so ein Kommentar nett, regelmäßig nichtssagend. Dann lieber regelmäßig einen guten Kommentar absetzen, der aber wie schon gesagt Zeit braucht – mindestens 15-20 Minuten, die man sich bewußt nehmen muß und weitere lesenswerte Beiträge zunächst einmal ausblenden sollte. Rechnet man diese Zeit für 5-10 Kommentare pro Woche hoch, ist man schon schön beschäftigt. Zudem benötigt man zum Kommentieren in Wissenschaftsblogs mehr Muse, denn der Kommentar soll inhaltlich fundiert sein. Da schreibt sich eine Bemerkung in einem Kochblog leichter.

Lohnt sich denn das Kommentieren überhaupt? Ja! Ja! Ja! Das Kommentieren ist das elementare Kommunizieren im Web. Mit guten Kommentaren kommt man in Gespräch, man lernt neue Gedanken und Perspektiven, Menschen kennen und kann so auch seinen Blog bekannt machen. Hier hilft der Strukturaufbau von Blogkommentaren sehr: neben den Namen (übrigens bin ich für Klarnamen, denn man sollte schon zu dem stehen, was man sagt, was übrigens auch dem Tonfall hilft ;-)) kann man immer seine Webadresse eingeben. Die Suchmaschinen nehmen solche Verlinkungen auf, Besucher finden so auf den Blog. Natürlich ist es nicht immer die Masse, aber mit der Zeit lohnt es sich schon.

Und wie löst man nun das Zeit-Kommentar-Dilemma? Man nimmt sich die Zeit und setzt für einen selbst eine bestimmte Anzahl an Kommentaren fest, die man in einer Woche/Monat erstellt. 2, 3 pro Woche reichen vollkommen aus. Nicht die Masse macht’s (spammig), sondern Qualität. Mit der Zeit wird man so von jedem Blogger als Leser geschätzt, der eigene Ruf wächst. Also dann los, sich selbst an die Nase fassen und einfach losmachen. Dann wird es mit den Kommentaren in den Wissenschaftsblogs auch besser ;-).

P. S.: Übrigens ist statt einem langen Kommentar eine Erwiderung oder ein eigener Blogartikel mit Verlinkung auf den Ausgangspost möglich.

P. P. S.: Neben Blogs leiden auch Wissenschaftsplattformen wie recensio.net unter dem Mangel an Kommentaren.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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2 Antworten auf Blogperlenspiel: Wie wichtig sind Kommentare?

  1. „Kommentatoren, das sind Menschen, die andere kratzen, wenn es sie selber juckt.“
    Robert S. McNamara

  2. Pingback: Kommentare in Blogs und auf Facebook - Meine Firma und ich - Meine Firma und ich

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