Roulettespiel bei Coverabbildungen in Bloggerrezensionen

Statement des Rowohlt Verlages über Nutzung von Klappentexten und Coverabbildungen in Bloggerrezensionen. Screenshot: Wenke Bönisch

Statement des Rowohlt Verlages über Nutzung von Klappentexten und Coverabbildungen in Bloggerrezensionen. Screenshot: Wenke Bönisch

Heute veröffentlichte am Vormittag der Rowohlt Verlag auf seiner Facebookseite ein Statement, wie die Nutzung von Covern seiner Bücher durch Blogrezensionen erfolgen soll: Klappentextrechte liegen beim Verlag und können nach Auszeichnung als Zitat benutzt werden. Coverabbildungen dürfen als ganzes für Buchbesprechungen genutzt werden, dürfen nicht verfälscht oder nur teilweise abgebildet werden. Soweit in Ordnung. Nun kommt jedoch ein gewisser Pferdefuß. Diese Regelung gilt für lieferbare Titel. Zunächst schweigt sich der Verlag aus, was bei nicht mehr lieferbaren Titeln passieren sollen, die schon rezensiert worden sind. Sollen diese Abbildungen nachträglich gelöscht werden?

Sofort bricht an verschiedenen Stellen auf Facebook eine Diskussion aus. Viele Bloggerleser fragen, was sie tun sollen. Dürfen Klappentexte immer verwendet werden, also auch bei nichtlieferbaren Büchern? Müssen Cover von nichtlieferbaren Büchern nachträglich gelöscht werden? Kann man die Problematik umgehen, indem man selbst ein Foto von dem zu rezensierenden Buch macht und als Bebilderung nutzt? Beispiele gibt es hier, hier und hier. (Übrigens gibt es auf Lovelybooks zur gleichen Zeit eine ähnliche Diskussion.)

In der anschließenden Diskussion geht Rowohlt auf die Fragen ein und weist daraufhin, daß sie nicht die Coverabbildungen bei nicht mehr lieferbaren Büchern verbieten, sondern daraufhinweisen, daß der Verlag dann am Buch nicht mehr “beteiligt” ist und somit keine Rechtssicherheit garantierten kann.

Was heißt das konkret? Fotos auf Covern kaufen Verlage bei Fotoagenturen ein, die sie beispielsweise nur für den Print und das eBook dieses Buches nutzen dürfen. Es gibt also in der Lizenzvereinbarung zwischen dem Verlag und der Agentur eine zeitliche Befristung. Ist die Auflage verkauft, dann verfügt der Verlag nicht mehr über Nutzungsrechte über das verwendete Foto auf dem Cover. Nun könnte die Gefahr bestehen, daß in diesem Fall die Agentur bzw. der Urheber des Fotos alle diejenigen auf Urheberrechtsverletzung verklagen könnte, die das Coverfoto ohne Nutzungsrechte verwenden.

Aus dem Rowohlt-Statement folgen fürs Generelle ein paar Fragen: bedeutet die Verwendung eines Coverfotos für nicht mehr lieferbare Printbücher nach dem UrhG durch Dritte (also Rezensenten) eine Urheberrechtsverletzung? Wie können Blogger für sich Rechtssicherheit für solch einen Fall schaffen? Gesetzt dem Fall, dies sei so, wäre eine ständige Überprüfung auf Lieferbarkeit der Titel bei den verschiedenen Verlagen nicht praktikabel! Dies würde dazu führen, daß Blogger lieber keine Bilder verwenden, als sich auf dünnes Eis zu begeben.

Wie verhält sich die Lizenzierung von Coverfotos im Onlinebereich. Normalerweise müssen Verlage ein zeitlich und räumlich unbeschränktes Nutzungsrecht haben, wenn sie die Coverfotos auf Webseiten verwenden. Schon zur eigenen Sicherheit. Verlagswebseiten werden von den Suchmaschinen gecrawlt, die Bilder aufgenommen und somit fast für ewig gespeichert. Natürlich kann man hier agieren: nutzen die Verlage diese Fotos auf eigenen (!) Webseiten mit einem zeitlich und räumlich limitiertem Nutzungsrecht, können sie diese nach Ablauf sofort löschen. Für die Speicherung in den Suchmaschinen ist der jeweilige Suchmaschinenbetreiber verantwortlich. Tja, in solch einem Fall dürften die Verlage die Cover aber auf keiner anderen Plattform verwenden, nicht auf Facebook, nicht auf Youtube, nicht auf Pinterest oder Twitter! Denn so verbreiten Verlage aktiv die Bilder auf fremden Plattformen, denen sie Nutzungsrechte mit dem Hochladen übergeben und verstoßen damit auch gegen das Urheberrecht bzw. die Nutzungsbedingungen, die sie mit dem Urheber des Fotos abgeschlossen haben. Damit wäre Social Media für Verlage in diesem Fall gestorben.

Und müßten denn nicht äquivalent zu diesen geschilderten Onlinefall auch alle gedruckte Werbematerialien mit Coverabbildungen nicht mehr lieferbarer Titel eingestampft werden, frage ich mich gerade.

Was folgt aus dieser Diskussion? Aus der Praxis gesehen und scharf übertrieben ist also urheberrechtlich Coverabbildungen in Bloggerrezensionen ein Roulettespiel. Natürlich wäre eine Lösung, wenn Verlage die Fotos für Coverabbildungen zeitlich und räumlich unbeschränkt in den Nutzungsrechten kaufen würden. Wird aber aufgrund der Preise bzw. des Sparens seitens der Verlage nicht in jedem Fall möglich sein. Oder die Urheber der Coverfotos würden nach Ablauf der Nutzungsrechte auf Ansprüche gegenüber den Bloggern verzichten (sollte es tatsächlich so der Fall sein. Es wäre schön, wenn in der Materie versierte Juristen sich zu diesem Thema äußern würden, denn so juristisch bin ich den Feinheiten der Materie nicht bewandert).

Letztlich ist es die alte Leier. Das jetzige Urheberrecht ist in solchen Fällen nicht mehr an die Realität angepaßt. Wir brauchen eine entsprechende Form, um Rechtssicherheit für breite Bevölkerungsschichten zu garantieren und damit auch die gesellschaftlichen Frieden. Denn den Bloggern geht es nicht in erster Linie um ökonomische Gewinnmaximierung, wenn sie ein Buch mit Coverdarstellung besprechen, sondern oft aus Freude und Lust. Hier verweise ich gerne noch einmal auf das Interview mit Roland Kaiser über die Initiative “Faires Urheberrecht”. Hoffen wir, daß diese Problematik vonn allen Beteiligten nun wirklich gelöst wird. Denn die Technik läßt sich nicht zurückschrauben!

Im übrigen noch ein Hinweis an alle Verlage: in der Diskussion bei Lovelybooks ist aufgelistset, welche Bedingungen für Verlage an Rezensenten stellen, beispielsweise Verlinkung auf den Verlagsshop. So sehr dieser Wunsch verständlich, aber nicht jeder Rezensent hat das Buch vom Verlag aus diesem Grund erhalten, sondern sich selbst gekauft, bei Freunden oder aus der Bibliothek geliehen. Bitte dies mitbeachten.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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5 Antworten auf Roulettespiel bei Coverabbildungen in Bloggerrezensionen

  1. klaus graf sagt:

    Naja, viel Worte und sehr wenig juristische Substanz. Bangemachen gildet nicht.

    Was man Bloggern verweigert, gewährt man den Bibliotheken ohne weiteres: nämlich das unbefristete Recht, Coverabbildungen im OPAC zu zeigen. Hätten die Verlage eingeschränkte Rechte, die bei vergriffenen Büchern nicht mehr gültig wären, dürften sie via Börsenverein keine Vereinbarung mit Bibliotheksverbänden über die Nutzung von Covern treffen. Verlage dürften dann auch das Cover nicht retrodigitalisieren.

    Bereits verbreitete Prospekte einstampfen: Naja, es kann ja nicht jede/r das kapieren, was ich in Archivalia/INETBIB zum Verbreitungsrecht schreibe …

    Verlage drücken Autoren in der Regel Verträge auf, die die Nutzungsrechte bis zum Ende der gesetzlichen Schutzfrist (70 Jahre pma) umfassen – wieso zum Teufel sollte es mit den – noch abhängigeren – Illustratoren anders sein? Der Rowohlt-Verlag stellt die vertragslage aus meiner Sicht ganz und gar falsch dar.

    No risk, no blog. Roulettespiel ist das ganze Leben. Einer kriegt Krebs und der andere nicht, wobei ich das Restrisiko, dass es wegen einem Cover Ärger gibt, als vernachlässigbar ansehe.

  2. Wenke Bönisch sagt:

    Vielen Dank für Ihre Kommentare. Meine Antwort finden Sie hier: https://plus.google.com/u/0/104781858495372716844/posts/gkiDau2Uko9

  3. Pingback: TABULA RASA: Urheberrechte Buchcover und Klappentexte « Büchermuffel's Blog

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