Empfehlenswertes Standardnachschlagewerk für Historiker zum Umgang mit digitalen Informationsquellen: Rezension zu “Elektronische Informationsressourcen für Historiker” von Klaus Gantert

Klaus Gantert: Elektronische Informationsressourcen für Historiker, De Gruyter 2011

Klaus Gantert: Elektronische Informationsressourcen für Historiker, De Gruyter 2011

Die Geschichtswissenschaft ist eine recht konservative Wissenschaftszunft, die erst langsam sich den Möglichkeiten des Forschens und Publizierens im digitalen Zeitalter annähert (vgl. dazu auch meine Buchbesprechung Anregendes Standardwerk für die Ausbildung von Historikern: Rezension zu “Digitale Arbeitstechniken für die Geistes- und Kulturwissenschaften” von Martin Gasteiner/Peter Haber (Hrsg.)). Doch gibt es vielmehr Informationsressourcen für Historiker im Netz zu finden, als man auf den ersten Blick vermutet: Datenbanken, Bibliothekskataloge, Rezensionsplattformen wie beispielsweise recensio.net, eJournale, digitale Quellen- und Aufsatzsammlungen. Leider stößt man auf den Großteil dieser Informationen nur nach intensiver Recherche, da sie einerseits teilweise schlecht mit gängigen Suchmaschinenmethoden auffindbar sind, andererseits ihre Existenz und Nutzen für die Geschichtswissenschaft in den entsprechenden Hochschulstudien nur stiefmütterlich vermittelt werden.

Genau an dieser Stelle setzt das Nachschlagewerk von Klaus Gantert: Elektronische Informationsressourcen für Historiker, 2011 bei De Gruyter erschienen, glücklicherweise an. Auf mehr als 400 Seiten finden nicht nur Historiker, sondern auch Bibliothekare eine typologische Aufarbeitung der verschiedenen digitalen Informationsquellen für die Geschichtswissenschaft.

In 14 Hauptkapitel gliedert sich Ganterts Werk. Der Autor steigt in das Thema mit einer Erläuterung grundsätzlicher Funktionen von Datenbankrecherchen, die vor allem in der Propädeutik von Studenten der Geschichtswissenschaft genutzt werden sollte, ein. Ohne Kenntnisse in den grundlegenden Funktionen von Datenbankrecherchen wird der Historiker nur erschwert an die für ihn notwendigen digitalen Informationen gelangen.

Systematisch und typologisch stellt in den folgenden 13 Kapiteln Gantert die verschiedenen elektronischen Informationsressourcen vor: lokale Fachportale und elektronische Einführungen, Bibliothekskataloge, Bibliographien, Geschichtswissenschaftliche Zeitschriftenliteratur, eBooks, digitale Bibliotheken, Geschichtswissenschaftliche Informationen im Internet, Fachportale und Virtuelle Fachbibliotheken zur Geschichte, Nachschlagewerke, Handschriftliche Quellenmaterialien, Informationsressourcen der Historischen Hilfswissenschaften, Geschichte in den Massenmedien und Geschichtswissenschaftliche Rezensionen und wissenschaftliche Kommunikation.

Jedes Kapitel folgt dem gleichen Schema. Mit einleitenden Worten erläutert Gantert als Erstes allgemein die entsprechende Informationsressource, dann stellt er die wichtigsten ausführlich vor. Teilweise unterstreichen Screenshots der Webseiten die Aussagen, so daß der Leser auch einen visuellen Eindruck erhält. Leider ist bei den einzelnen Informationsressourcen der jeweilige Link nicht mit aufgeführt, so daß der Leser nur durch ergoogeln des Namens zur Ressource geführt wird. Natürlich ist es verständlich, diese nicht abzudrucken, da sich die Links teilweise auch schnell ändern können (die Frage der Linkpermanenz bei wissenschaftlichen Informationsressourcen ist trotz DOI noch nicht abschließend geklärt, vor allem für Angebote, die nicht von Universitäts- oder Staatsbibliotheken gepflegt werden). Dennoch wäre eine Aufführung der URL mit Hinweis auf eine mögliche Strukturänderung nutzerfreundlich.

An dieser Stelle komme ich gleich zum Hauptkritikpunkt des vorgestellten Buches. Es ist schon jetzt ein wichtiges Nachschlagewerk für Historiker zur Nutzung digitaler Informationsquellen, daß die gewählte Produktionsform (Print) dem Inhalt und Konzept des Buches unglücklicherweise diametral entgegensteht. Das gedruckte Buch ist nun endgültig in seiner Form, zügige Ergänzungen, Erweiterungen oder Korrekturen sind nicht mehr möglich – außer in einer bearbeiteten Auflage, die wohl nicht so schnell erscheinen wird. Eine Webseite zum Buch für solche Fälle gibt es leider auch nicht. Hier hätte es sich seitens des Verlages angeboten, gerade bei solch einem Thema neue Wege zu beschreiten: vorrangig auf ein interaktives eBook statt des klassischen Printbuches zu setzen bzw. als Kompromißlösung eine Webseite zum Buch für Korrekturen etc. anzubieten. So hätte man sich einerseits innovativ zeigen, andererseits die Idee des Buches längerfristig sowohl zum Nutzen des Lesers als auch vorteilhaft für Autor und Verlag erhalten können.

Fazit: Ganterts Elektronische Informationsressourcen für Historiker ist schon unmittelbar nach seinem Erscheinen ein Standardnachschlagwerk, das unbedingt jedem Historiker zur Nutzung anzuraten ist, in jede Universitäts-, Instituts- oder Staatsbibliothek gehört und in jedem Proseminar den Studenten vorgestellt werden soll. Ich empfehle es dieser Zielgruppe und vergebe in der Endbeurteilung aufgrund der genannten Hauptkritik 4 von 5 Sternen.

Klaus Gantert: Elektronische Inormationsressourcen für Historiker, Reihe: Bibliotheks- und Informationspraxis. 428 Seiten, De Gruyter 2011, ISBN: 978-3-11-023498-5, Print-Preis: 59,95 EUR, Bundle aus Print-Ausgabe und Online Lesen: 89,95 EUR, eBook: 59,95 EUR.

Das Buch kann hier bestellt werden.

Das Buch ist bei jedem Buchhändler erhältlich.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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