Mehr Fingerspitzengefühl bei Fangewinnung auf Facebook!

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Facebook verbindet. Um jeden Preis? Foto: Spencer E. Holtaway, flickr.com

Eigentlich ist Social Media doch ganz einfach – simpel in der Handhabung, kostengünstig, die Zielgruppe erreicht man direkt ohne Umwege und irgendwie stimmt dann schon der ROI (dazu als Buchempfehlung meine Rezension zu Olivier Blanchard: Social Media ROI. Messen Sie den Erfolg Ihrer Marketing-Kampagne: Pflichtlektüre für alle Social Media Manager). Und wenn man dann doch noch Fragen hat, dann gibt es zahlreiche gute (und weniger gute) Social Media Ratgeber, die die ersten Schritte erläutern und Tips für effektives, erfolgreiches Social Media geben. Befolgt man diese – so die Intention der Ratgeber –, dann wird die eigene Facebook-Page, der Twitter- oder Youtube-Account nur so vor Fans, Followern und Klicks strotzen.

Sooooo einfach ist es aber dann doch nicht, wie es die Praxis zeigt. Social Media ist Kommunikation mit Menschen. Diese Aussage kann man nicht oft genug wiederholen! Und Kommunikation mit Menschen erfordert Empathie und Fingerspitzengefühl, erst recht, wenn man nur auf Geschriebenes, auf den indirekten Kontakt mit seiner Zielgruppe beschränkt ist. Denn gute zwischenmenschliche Kommunikation besteht neben verbalen Zeichen vor allem auch aus nonverbalen, die im Internet aufgrund seines Schriftcharakters fehlen.

Was heißt das nun im Klartext?

Ich will die Notwendigkeit für Empathie in Social Media am Beispiel Fangewinnung für eine eigene Facebook-Page verdeutlichen. In allen Ratgebern liest man den Hinweis, man möge nach der Erstellung seiner Facebook-Page seine Freunde dorthin einladen, um so schnell einen Grundstock an Fans gewinnen zu können. Brav wird dieser Tip natürlich befolgt, ist es doch verlockend so einerseits die neue Seite zügig mit Leben zu füllen, andererseits auf einfachem Wege Vernetzung zu erreichen. In der Theorie mag dies funktionieren, jedoch wird dies in der Praxis schon aus mehreren Gründen schwierig. Denn es tun sich zwei große Stolpersteine auf:

  • Soll man wirklich seine eigenen Freunde, Bekannte oder losen Kontakte für das “Befüllen” seiner Seite einspannen? Ist das wirklich hilfreich, sie so vor den Karren zu spannen? Können Freunde überhaupt “Nein” zu so einer Einladung sagen?
  • passenderweise bietet Facebook eine Suchfunktion nach bestimmten Anforderungen wie Geschlecht, Alter, Ausbildung oder Vorlieben für solche Seiteneinladungen an. Fantastisch! So hat man gleich den schnellen Zugriff auf die Zielgruppe unter seinen Kontakten. Aber ist das wirklich so gut? Nicht immer! Die Gefahr, ins Fettnäpfchen zu treten, ist groß. Denn wie genau kennt man denn seine Kontakte wirklich? Wird ein ehemaliger Alkoholiker unter den Kontakten der Einladung zu einer Weinhandlung folgen? Darf man die Frau zwischen 25 und 40 wirklich einfach so auf eine Seite einladen, die sich mit unerfülltem Kinderwunsch beschäftigt? Hat sie nicht vielleicht schon Kinder, die sie nur nicht in ihrem Facebook-Profil angeben will oder will sie vielleicht generell keine haben?

Nicht jeder Kontakt wird sich über eine pauschal vergebene Einladung freuen, denn sie ist beliebig und eben nicht zielgruppengerecht. Mag der Tip in der Theorie erfolgsversprechend und einleuchtend sein, so sollte man ihn in der Praxis nicht einfach so für jede Seite anwenden, sondern Empathie und Fingerspitzengefühl bei solchen Freundeseinladung zeigen und nur diejenigen Freunde einladen, die sich aufgrund ihrer Hobbies oder beruflichen Tätigkeit tatsächlich für die Facebook-Page interessieren würden. Lieber auf einen möglichen Fan verzichten, als ihn vor den Kopf zu stoßen!

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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