Hilfreicher Ratgeber zu Öffentlichkeitsarbeit für Wissenschaftler: Rezension zu “Wissenschaft in den Medien präsentieren” von Sabine Trepte, Steffen Burkhardt, Wiebke Weidner

Wissenschaftler selbst, Journalisten und Netzcommunity streiten sich darüber, ob Öffentlichkeitsarbeit eine Pflichtaufgabe für Wissenschaftler sind oder nicht. Ich selbst bin der Meinung, Wissenschaftler sollten sehr wohl sich in der Öffentlichkeit über ihre Forschung äußern und jede gebotene Gelegenheit nutzen, der Gemeinschaft diese zu erklären (hier mein Interview dazu auf L.I.S.A.).

Meine Gedanken dazu bezogen sich vor allem auf die neuen Möglichkeiten des Social Webs, die Wissenschaftlern erlauben, einfach und direkt mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten. Keineswegs soll das Social Web komplett klassische Öffentlichkeitsarbeit ersetzen, sondern sie unterstützen bzw. neue Wege aufzeigen.

Neben dem Social Web ist klassische Öffentlichkeitsarbeit, d. h. intensiver Kontakt zu Medien und Journalisten, immer noch ein wichtiger Baustein in der Wissenschaftskommunikation. Zumeist wird diese von der Pressestelle der Universitäten oder Forschungseinrichtungen übernommen, worüber eine Vielzahl der Wissenschaftler u. a. aus Bedenken vor journalistischen Kontakten erst einmal froh sind. Jedoch müssen sie im geringen Maße auch dann noch Zuarbeiten an die Pressestelle leisten.

Nun fällt zahlreichen Wissenschaftlern aus Unkenntnis über den Umgang mit Medien eine eigene, aktive Öffentlichkeitsarbeit schwer. An dieser Stelle möchte das die Publikation “Wissenschaft in den Medien präsentieren” von Sabine Trepte, Steffen Burkhardt und Wiebke Weidner ein praxisnaher Ratgeber sein.

Das schon vor vier Jahren erschienene Buch ist in 7 Hauptkapitel gegliedert. In der Einleitung wird erörtert, warum Wissenschaftler und Journalisten einander gebrauchen. Schon mit Kapitel 2 gehen die Autoren in media res. Wie wählt man als Wissenschaftler das passende Medium für seine Forschung/Zielsetzung aus? Wie schreiben, denken, recherchieren Journalisten, was ist ihre spezifische Sprache? Wie wird man in den Medien wahrgenommen? Kapitel 3 behandelt das Thema Kontaktaufnahme (Erstellung von Mailinglisten, Pressemitteilungen), Kapitel 4 ist vor allem der Vorbereitung und Durchführung von Interviews in Schriftform, Radio und Fernsehen gewidmet. Daran anschließend erläutert Wiebke Weidner als Sprech- und Stimmtrainerin die Grundlagen des Sprechens und gibt Übungen zum Training der Sprache und des Auftretens während eines Interviews. Kapitel 6 ist ein Exkurs in die Internetpräsenz von Wissenschaftlern. Daß das Buch 2008 erschienen ist, merkt man spätestens am Abschnitt über Second Life, das heute keine Rolle mehr spielt. Jedoch ist dies nicht weiter schlimm, da Grundlegendes wie der Aufbau und Pflege einer Webseite, eines Blogs oder eine Social Network Accounts erklärt werden. Das letzte Kapitel behandelt Normen und Ethik in der Öffentlichkeitsarbeit, z. B. das Auskunftsverhältnis von Wissenschaftlern über ihren Arbeitgeber gegenüber Journalisten, Urheberrecht etc.

“Wissenschaft in den Medien präsentieren” hat als  Ziel, ein Praxisratgeber mit vielen Tips für Wissenschaftler zu sein und ihnen Ängste/Bedenken bzgl. des Umgangs mit Journalisten zu nehmen. Dieses Ziel erreicht die Publikation auf jeden Fall. Sie ist sachlich, aber dennoch gut lesbar und flüssig geschrieben. Der inhaltliche Aufbau ist kongruent: am Anfang jedes Hauptkapitels wird die jeweilige Zielsetzung klar und deutlich genannt. Die Autoren führen sehr praxisnah durch das Thema, Checklisten und anschauliche Beispiele wie eine gut erstellte Pressemitteilung helfen bei der Umsetzung des Gelernten. Besonders gut hat mir die Erläuterung der journalistischen Denkweise gefallen, in dieser Hinsicht ist das Werk sogar als Übersetzer zu bezeichnen. Aufgelockert wird das Buch durch kurze Hinweise und Praxisratschläge von (Wissenschafts-)Journalisten. Denn das Hauptproblem in der Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Journalisten besteht in der Sprachverwendung: wissenschaftlich umfassend, korrekt, nachweisbar vs. aufklärend, unterhaltend, lebendig, kurz und bündig. Diese Hürde wird mit dem Buch genommen.

Mein Fazit: Dieses Buch ist auch heute noch 4 Jahre nach seiner Erscheinung und trotz seiner Konzentration auf die klassische Öffentlichkeitsarbeit absolut allen Wissenschaftlern zu empfehlen, die sich mehr in den Medien präsentieren möchten und einen hilfreichen Ratgeber zum Thema suchen. Denn letztlich gelten auch in der Webpräsenz fast die gleichen Kommunikationsregeln wie in der klassischen Öffentlichkeitsarbeit!

Ich vergebe daher 5 von 5 Sternen für das Buch!

Sehr schön ist, daß der Campus Verlag auf seiner Webseite eine Leseprobe des Buches zur Verfügung stellt.

Sabine Trepte, Steffen Burkhardt, Wiebke Weidner: Wissenschaft in den Medien präsentieren. Ein Ratgeber für die Scientific Community, broschiert, 217 Seiten, Campus 2008, ISBN: 9783593387703, Preis 16,90 Euro.

Das Buch kann hier bestellt werden.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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