Publikation eines neuen wissenschaftlichen Aufsatzes und erste Eindrücke von recensio.net

Mein Aufsatz bei recensio.net. Foto: Wenke Bönisch

Mein Aufsatz bei recensio.net. Foto: Wenke Bönisch

Endlich ist mein Aufsatz über die Immatrikulationsfrequenz der vier mitteldeutschen Universitäten in Leipzig, Wittenberg, Jena und Erfurt während des Dreißigjährigen Krieges (noch unter meinem Mädchennamen) erschienen. Im Mai 2010 war ich zu einem Workshop zum Thema “Inter arma silent litterae? Universitäten im Dreißigjährigen Krieg” als Referentin eingeladen, der auf Schloß Friedenstein in Gotha (was für ein passender Ort zum Thema der Tagung!), organisiert vom Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit e. V. und dem Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, stattfand.

Nun wurde mir am Samstag ein Belegexemplar der Druckfassung zugeschickt. Da die Zeitschrift “Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit” im Universitätsverlag Potsdam publiziert wird, ist der Aufsatz so wie das ganze Heft auch im Open Access verfügbar (hier zum Lesen klicken).

Auf dieser Tagung trafen sich mehrere Doktoranden, die zum Thema Universitäten im Dreißigjährigen Krieg forschen und arbeiten. Diese Forschungsfragen sind bisher noch zum Großteil unbearbeitet, nur allgemeine, überwiegend kaum spezifizierte Darstellung zu Alma mater im Großen Krieg stehen in der Forschungsliteratur zur Verfügung. Daher stellen das Treffen und die Publikation des Workshopbandes die ersten Versuche zur Aufarbeitung dieses Desiderates dar.

Die Veröffentlichung meines Beitrages habe ich gleich genutzt, um mich näher mit dem Geschichtsportal recensio.net zu beschäftigen. Dieses Portal möchte stärker die Historiker untereinander vernetzen und den Forschungsdiskurs durch Präsentationen von Aufsätzen, Monographien und Integration von Rezensionen und die Möglichkeit, diese zu kommentieren, auf digitalem Weg fördern. Zwar nutzen schon zahlreiche Fachzeitschriften die Möglichkeiten zur Darstellung ihrer Rezensionen auf recensio.net (die Rezensionen werden in den OPAC der Bayerischen Staatsbibliothek integriert), jedoch sind die Beteiligungen und Interaktionen der Historiker bzgl. Einbringen eigener Forschungspublikationen bzw. Kommentierungen bisher spärlich (eine ausführliche Vorstellung des Projektes kann man hier nachlesen). Wohl liegt dies einerseits  an dem noch jungen Entstehungsdatum von recensio.net, andererseits auch an einer skeptischen Haltung zahlreicher Historiker gegenüber digitalen Arbeitsweisen.

Wie ist nun mein Eindruck von recensio.net?

Die Plattform wirkt auf den ersten Blick in ihrem Layout sehr aufgeräumt und übersichtlich aus – klare Strukturen, kein verschnörkelter Auftritt, funktionales Layout, was die Konzeption der Webseite unterstreicht.

Die Anmeldung ist recht unproblematisch, es wird nur nach den nötigsten persönlichen Daten gefragt (Name, Mailadresse, akademischer Grad, zusätzlich kann man sein Profil um Informationen bzgl. seiner akademischen Laufbahn bzw. seiner Forschungsschwerpunkte ergänzen). Man muß abschließend bei der Anmeldung bestätigen, daß man tatsächlich die angemeldete Person ist. Mir wurde nur nicht klar, welche Konsequenzen bei Falschanmeldung drohen. Leider habe ich dazu auch keine Informationen gefunden bzw. wurden bei der Anmeldung aufgezeigt.

Nach der Bestätigung der Anmeldemail kann man sofort mit dem Einpflegen seiner Publikationen anfangen. Hierzu werden in drei Reitern die notwendigsten Metadaten wie Name, Publikationsort, Verschlagwortung, Kategorie, Verlag, bibliographische Angaben abgefragt. Der wichtigste Punkt ist das Eingeben einer kurzen Zusammenfassung seiner Publikation (Zielstellung, Methode, Thesen), die auf recensio.net eingeblendet wird und die Ausgangsbasis zum Diskutieren bildet. Die Angaben stehen unter CC-BY-NC-ND (sehr gut!), können als PDF heruntergeladen werden. Zudem steht eine Zitierangabe zur Verfügung und der Link zur Online-Version, falls es solch einen gibt. Auch hier wurde auf überflüssiges verzichtet. Einziger Mangel: die fehlenden Social Buttons für eine schnellere, unkomplizierte Verbreitung im Web.

Ein Pluspunkt und für die Verbreitung dieser Plattform absolut nützlich ist die Möglichkeit, Forscher, die noch nicht auf recensio.net angemeldet sind, mit den Kontaktdaten für eine Vorstellung der Plattform seitens der Bayerischen Staatsbibliothek zwecks einer Mitarbeit angeschrieben. Diese Daten stehen natürlich nicht öffentlich zur Verfügung. Letztlich dockt so recensio.net an bestehende Vernetzungsstrukturen seiner User an. Spannend wären allgemeine Informationen, ob und wie dieser Weg erfolgreich ist.

Nachdem man alle Daten eingegeben hat, übermittelt man diese zur Freischaltung. Sie werden noch einmal geprüft. Eine Freischaltung soll ca. 3 Werktage beanspruchen. Erstaunlicherweise dauerte es bei mir nur wenige Minuten. Wohl ist dies dem Umstand geschuldet, daß nur wenige Einreichungen auf eine Veröffentlichung warten.

Insgesamt sticht das Portal mit seiner Funktionalität und Übersichtlichkeit positiv hervor. Die technischen Grundlagen sind gelegt, nun liegt es an uns Historikern, das Potential von recensio.net zugunsten unserer Wissenschaft zu nutzen.

Korrektur: 27. Januar 2012:

Frau Landes vom Projekt recensio.net hat mich in einer Mail auf die Social Buttons unterhalb des Download-Linkes aufmerksam gemacht. Daher korrigiere ich meine obige Aussage und entschuldige mich, daß ich diese übersehen habe.

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Über Wenke Bönisch

Wenke Bönisch arbeitet heute nach einer beruflichen Station in einem Wissenschaftsverlag (Autorenbetreuung, Satz und Social Media) als Freiberuflerin u. a. für den Ulmer Verlag (http://socialmedia.ulmer.de), für die Frankfurter Buchmesse sowie für den Digitalisierungsdienstleister Editura (http://editura.de) im Social Media Bereich. Neben Social Media beschäftigt sie sich mit den Themen elektronisches Publizieren, Wissenschaft, Open Access und Neue Medien. Zu ihren entsprechenden Projekten hält sie dazu auch Workshops, Vorträge und Seminare. Unter den Namen @digiwis (http://twitter.com/digiwis) twittert sie (fast) täglich. Auf ihrer Website http://digiwis.de bloggt sie zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.
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4 Antworten auf Publikation eines neuen wissenschaftlichen Aufsatzes und erste Eindrücke von recensio.net

  1. Wenke Bönisch sagt:

    Gestern noch einen anderen Punkt – nun nicht gerade mit Absicht – auf recensio.net getestet. Ich habe einen weiteren Aufsatz als Präsentation eingereicht und schrieb die Beschreibung eher allgemein, nicht thesenbildend. Ich bin nun von der Redaktion gebeten worden, diese zu überarbeiten. Diese qualitative Beurteilung der eingereichten Beiträge finde ich sehr gut. Auch wenn dies sehr wohl viel Zeit- und Personalressourcen (vor allem bei einem größeren Zuspruch der Plattform) beansprucht, ist somit die wissenschaftliche Qualität von recensio.net gewährleistet. Der Aufforderung zur Überarbeitung komme ich gerne nach.

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