Anfang Dezember veröffentlichten Mareike König und Klaus Graf einen Blogbeitrag auf Redaktionsblog über die entwicklungsfähige Blogosphäre der Geschichtswissenschaft. Sie stellten noch einmal sehr explizit fest, daß nur wenige Historiker bloggen und führten einige Blogs in einer Kurzbeschreibung auf.
In den Kommentaren wurde der Wunsch nach einer Übersichtsliste von Geschichtsblogs geäußert. Da ich mich schon seit mehreren Jahren mit diesem Thema beschäftige, ließ mich dieser Wunsch nicht in Ruhe. In den letzten Tagen recherchierte ich nach Geschichtsblogs im deutschsprachigen Raum und legte bei Google Docs eine entsprechende Liste an. In diese können sich bloggende Historiker über ein Formular gerne selbst eintragen.
Hilfreich in diesem Zusammenhang waren die ”Geschichtsblogs des Monats” im Blog weblog.hist.net, zusammengestellt von Peter Haber und Jan Hodel. Leider gibt es seit Juni 2011 keine Aktualisierungen mehr.
Wie ist nun der Stand der Geschichtsblogosphäre?
55 verschiedene Geschichtsblogs von unterschiedlicher Qualität konnte ich zusammentragen. Diese Anzahl ist zwar nicht sehr hoch, aber immerhin gibt es erste Anfänge, Geschichtswissenschaft bloggend darzustellen. Schwierig ist die Frage nach der Definition, die eng mit Qualitätsansprüchen verbunden ist: welche Blogs zählt man zu den Geschichtsblogs hinzu? In den meisten Fällen werden die in der Liste aufgeführten Blogs von Historikern, teilweise Doktoranden oder in der Lehre beschäftigt, geführt. Jedoch ist die Grenze zu interessierten Laien fließend, wobei hier qualitativ gute Blogbeiträge publiziert werden. Geschichtsblogs sind also nicht von der Ausbildung des Bloggers abhängig, sondern eine Frage fachlicher Qualität der Blogartikel.
Dieses Phänomen ist in der Geschichte nicht neu. In Geschichtsvereinen und kleinen, lokalen Geschichtsblättern treten recht oft Laien auf, die sich keineswegs hinter den Professionellen verstecken müssen. Wir Professionelle sollten uns sowohl für klassische als auch Online-Publikation die Frage stellen, wie wir mit diesen qualitativ guten Laienbeiträgen umgehen. Ignorieren ist keine Lösung, Integration und Anerkennung und Begleitung ihrer Arbeit jedoch sehr wohl. Natürlich steht hier oft die unausgesprochene Angst vor dem Verlust der Deutungshoheit der Geschichtswissenschaftler. Jedoch ist eine Abschottung vor der Öffentlichkeit für die Geschichtswissenschaft kein richtiger Weg. Hier ist vielmehr unsere kommunikative Kompetenz, unsere Integration und Vermittlung der Wissenschaft in die Öffentlichkeit gefragt (siehe hierzu auch meinen Beitrag auf Vergangenheitsstaub bzw. mein entsprechendes Interview auf L.I.S.A.).
Zum Schluß möchte ich noch auf einige technische Punkte bei den Geschichtsblogs eingehen. Neben den zum Teil unregelmäßigen Blogeinträgen fielen mir einige Mängel in der Anlage der Blogs auf. So fehlten oft RSS-Feeds bzw. waren sie nicht an exponierten, für den Abonnenten leicht auffindbaren Stellen aufgeführt. Auch die Integration von Social Bookmarks bzw. Social Media Buttons wie Like oder Google+ fehlten sehr oft. Dadurch wird eine Verbreitung der Bloginhalte sehr behindert. Ein Impressum bzw. eine Autorenbeschreibung des Bloggers bzw. des Blogs konnte ich teilweise auch nicht finden – auch nicht gerade hilfreich, wenn man mit dem Blogger in Kontakt treten möchte bzw. wissen will, wer sich hinter den Pseudonym versteckt. In solchen technischen Punkten besteht bei vielen Blogs noch ein großer Nachholebedarf.
Nun zur Liste: aufgeführt wurden der Blogname, URL, Blogger, RSS-Feed und Themenschwerpunkte. Über das unter der Liste stehende Formular können sich alle Geschichtsblogger eintragen. Ich behalte mir vor, Einträge, die dem Sinn der Liste widersprechen etc., zu löschen.
Liste der Geschichtsblogs im deutschsprachigen Raum
Formular zum Eintragen Ihres deutschsprachigen Geschichtsblogs:
Als CSV herunterladen, als PDF herunterladen, RSS abonnieren.




Pingback: Geschichtsblogs im deutschsprachigen Raum « ViFa Benelux-Blog
Sehr gute Auflistung! Danke dafür!