Letzte Woche durfte ich überraschend und kurzfristig auf die re:publica 11 fahren. Weil die Nachricht erst eine Woche zuvor kam, war ich ohne große Erwartungen hingefahren – außer liebe Menschen zu treffen, tolle Gespräche zu führen. Inhaltlich war ich recht frei, auch nach einem Blick in den Sessionplan.
Also fuhr ich recht entspannt nach Berlin … und kamm zwiegespalten zurück.
Ich mache es kurz und schmerzlos: inhaltlich hat mir die re:publica kaum etwas Neues gebracht, da war ich von vielen Vorträgen enttäuscht. Sei es die Unentschiedenheit der Diskussionsposition bei Thomas Pfeiffer über Echoräume (übrigens ein soziologisches Phänomen, daß auch außerhalb von Internetgemeinschaften auftritt und wissenschaftlich untersucht worden ist
), über die Öffentlichkeit von Twitter von Miriam Feuls, über Blogs in Deutschland von Stine Eckert, über Medienkompetenz von Jürgen Ertelt, über Google Books von Jeanette Hofmann (kein Wort über Semantic Web, angeblich sei google books tot, was aufgrund des Zaunpfahlswinks im Urteil bezweifelt werden kann) oder diverse Sessions zum Urheberrecht von Till Kreutzer. Allen gemein war eine inhaltlich-argumentative Ausrichtung auf die Erwartungen des Publikums (z. B. Urheberrecht: Verwerter sind immer „negativ“, Ungleichgewicht bei jetzigen Vertragsgestaltungen und alle Kreativen wollen gemasht up werden), die vor allem oberflächlich blieben. Die Chance auf eine echte, tiefergehende inhaltliche Auseinandersetzung wurde vertan. Zudem gab es die gleichen, alten Stereotypen: wir, die wir uns intensiv mit dem Internet beschäftigen und nutzen, sind die „Erleuchteten“; die, die es nicht tun oder wollen, befinden sich auf dem Irrweg.
So habe ich mir eine Bloggerkonferenz mit dem Selbstanspruch, innovativ und visionär zu sein, nicht vorgestellt. Im Grunde spiegelt sie das jetzige Problem der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über das Digitale wieder. Eine kleine Gruppe (hier intensive Internetnutzer) prescht voran und vergißt den großen Rest. Dieser Konflikt ist mir schon vorher häufig bei anderen Gelegenheiten aufgefallen (vor allem dann, wenn ich erklären soll, was ich beruflich mache). Der Mehrheit der deutschen Gesellschaft (quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten) ist Twitter, Facebook und Co oft einfach egal, irrelevant oder es wird ohne große Gedanken genutzt. Gleichzeitig liegt im Digitalen ein Teil (ich sage bewußt ein Teil!) der Zukunft. Da hilft es nicht weiter, plakativ mit Hier-gut-dort-doof-Argumenten zu lamentieren. Da hilft nur, wiederholt und wiederholt sich zu erklären. Die kleine Gruppe ist so weit vorgeprescht, daß sie außer Sichtweise des Restes ist. Es ist an der Verantwortung und Pflicht der kleinen Gruppe, nicht nur die Sicht-, sondern auch die Sprachnähe zu wahren.
Leider ist dieser Punkt auf der re:publica nicht angesprochen worden.
Doch es gab auch Lichtblicke in den Sessions auf der re:publica, z. B. der Vortrag von Gunter Dueck über Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem
P. S.: Eine Erwartung erfüllte sich dann doch – die tollen Gespräche mit lieben Menschen: Leander Wattig, Wibke Ladwig, Carsten Raimann, Steffen Meier, Pia Kleine Wieskamp, Su Franke, Richard Joerges, Andrea Kamphuis, Wolfgang Walz, Andreas Kimpouropoulos, Michael Schneider und noch vielen mehr….! Danke Euch für die schöne Zeit!
Noch mehr Eindrücke von der re:publica wird auf deren Webseite gesammelt.




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